Bochums frühester ›Bestseller-Autor‹, der Bergarzt Carl Arnold Kortum (1745-1824), beschrieb seine Heimatstadt vor fast genau 200 Jahren wie folgt:
»[…] die Lage der Stadt selbst ist angenehm, denn sehr fruchtbare Felder, schöne Wiesen, Gärten, Weiden, Obstgärten, Heiden, Wälder, anmuthige Höhen und kräuterreiche Thäler mit kleinen Bächen durchschlängelt wechseln hin und wieder ab […] Der Boden ist überaus fruchtbar, besonders in der Nähe der Stadt […] auch zählt man nunmehr 402 Häuser, worunter jedoch 47 Packhäuser und Scheunen gerechnet […] 335 Häuser sind gegenwärtig bewohnt […].«
Kortum wurde vor allem durch seine Jobsiade bekannt, ein ellenlanges, spöttisches Knittelversgedicht auf die Spießigkeit und die feuchtfröhlichen Aventüren des Studenten Hieronimus Jobs. Die Jobsiade wurde u.a. von Johann Peter Hasenclever (1810-1853) und Wilhelm Busch (1832-1908) illustriert.
»Sie verdient es noch heute, belacht und beschmunzelt zu werden, schon allein wegen der vielen witzigen Pointen. Was den Stil anbetrifft, so legte Kortum kein Gewicht auf äußere Gelecktheit, sondern dichtete burschikos, derb, wie einst Hans Sachs in seinen Rüpelspielen. Kortum machte sich lustig über die Spießer seiner kleinen Stadt, über den Adel, die Bürger und Bauern der Nachbarschaft, ohne dabei boshaft zu werden und in ein satirisches Zerrbild zu verfallen, […].« (Hans Schulz-Fielbrandt)
Die Jobsiade zählt zu den Klassikern des deutschen Humors. In der Buchfassung wurde sie vielfach neuaufgelegt und erreichte eine Auflage von ca. 100.000 Exemplaren. Eine Quelle der Jobsiade war Johann Moritz Schwagers (s. Bielefeld-Jöllenbeck) Roman Leben und Schicksale des Martin Dickius (3 Bde., 1775f.).
Literarisch zu ehren kam auch das von Kortum anonym herausgegebene satirischen Wochenmagazin Allerhand macht dies Blatt bekannt!, in dem erste Auszüge aus der Jobsiade erschienen. Eine vollständige Ausgabe besitzt die Stadtbibliothek Essen.
Kortum wurde 1745 in Mülheim/Ruhr als Sohn eines Apothekers geboren. Nach dem Besuch des berühmten Archigymnasiums in Dortmund und dem Medizinstudium in Duisburg praktizierte er als Arzt zunächst im elterlichen Hause und von 1770 an für 54 Jahre in Bochum. Berufungen nach Rees (1782) und Wesel (1786) schlug er aus. Von 1792 bis zu einem Unfall im Jahre 1807 war er zudem nebenamtlich Bergarzt im preußischen Oberbergamt Wetter. Anläßlich seines 50jährigen Doktorjubiläums erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Duisburg. Er verstarb 1824 in Bochum.
Kortum war ein vielbeschäftigter Arzt, Botaniker, Naturwissenschaftler, Altertumskundler und Alchimist. Auf all diesen Gebieten veröffentlichte er und war zudem Verfasser einer Bochumer Stadtgeschichte, unzähliger historischer Darstellungen und praktischer Ratgeber über die Volksgesundheit (so von Büchern über den Kaffee und den Tee) sowie kleiner Humoresken und Satiren wie Der Märtyrer der Mode. Eine Geschichte satirischen Inhalts (anonym 1778).
Seit 1769 belieferte Kortum, der auch ein begabter Zeichner war, regelmäßig westfälische Unterhaltungs- und Intelligenzblätter mit zumeist kleinen Artikeln über Alltäglichkeiten und mit historischen Skizzen. Bei alledem war nach eigener Aussage das Dichten für ihn immer nur eine flüchtige und bloß gelegentliche, oft unzeitige Beschäftigung. Um 1800 gründete er mit Johann Christoph Friedrich Bährens (s. Meinerzhagen, Schwerte) die alchimistische Hermetische Gesellschaft, die – ein weiteres Kuriosum – nur aus diesen beiden Mitglieder bestand.
Literarische Stätten: Grabmal auf dem Alten Friedhof (Wittener Straße) im heutigen Kortum-Park. Das ehemalige Wohnhaus in der Rosenstraße existiert nicht mehr. Seit 1884 trägt eine Bochumer Hauptstraße Kortums Namen; Kortum-Brunnen vor der Deutschen Bank am Husemannplatz (lebensgroße Figuren stellen eine Szene aus der Jobsiade nach); ständige Kortum-Ausstellung im Museum Bochum, Wasserburg Haus Kemnade, Hattingen (An der Kemnade 10). Dort enthält ein Raum das Kortum-Archiv mit Büchern, Handschriften und Bildern. »Neben einem Stadtmodell von Bochum um 1800 werden hier Objekte aus dem Nachlass […] präsentiert. Den Mittelpunkt bildet hierbei sein Hauptwerk »Jobsiade«, das 1784 zum ersten Mal publiziert wurde. Beim Betreten des Raumes fallen die in Vitrinen ausgestellten Handpuppen, die einzelne Personen aus der Jobsiade darstellen, auf. Von Kortum […] sind auch andere schriftliche Überlieferungen wie z.B. ein Krankenhausbesuchsbuch von 1796 und ein Gesundheitsbüchlein für Bergleute aus dem Jahre 1798 zu besichtigen.« (Museumshandbuch Ruhrgebiet)
Bochum war lange Jahre Wirkungsstätte des 1992 verstorbenen Schriftstellers Gerhard Mensching (*1932 Riga/Lettland – †1992 Bochum). Schon früh zog es ihn zur Literatur, zum Stückeschreiben, etwas später dann zur Gelegenheitsschauspielerei. Im Puppenspiel fand er seine erste eigene Experimentierwiese (Was für andere die Eisenbahn war, war für mich das Puppenspiel). Nach der Schule begann er ein Germanistikstudium und promovierte 1961 über Das Groteske im modernen Drama. Danach kehrte er wieder zu seinem Taschentheater zurück, machte Gastspielreisen in viele Länder, kam zum Kinderfernsehen des WDR, probierte es in der Werbung. Er wirkte bei der Sendung mit der Maus mit und bei Lemmy und die Schmöker.
Mehr durch persönliche Freundschaft denn aus Neigung ging er dann doch ins akademische Fach, wurde Akademischer Oberrat in Münster, später in Bochum. Er versuchte, literarisches Hobby und Beruf überein zu bringen, begründete eine Schreibwerkstatt und hielt Seminare ab über Praktische Stilübungen in Kurzprosa oder Szenisches Interpretieren von Dramentexten.
Zu einer akademischen Karriere fehlte ihm die Triebfeder. Er wahrte Skepsis, sein altes, verqueres Verhältnis zur Wissenschaft überhaupt. An der trockenen Schulgermanistik störte ihn, dass sie zu schwammig, zu unpräzise sei.
»Menschings Werke sind voller Hintersinn, ohne dabei jemals gelehrig und belehrend zu sein. Aus ihnen sprechen Fabulierlust und der Hang zum Sonderbaren. Thematisch streifen sie oft den Bereich des Phantastischen und das Kriminalgenre. Vor allem aber zieht sich das Erotische wie ein roter Faden durch seine Stories. Die erotische Verwicklung mit tödlichem Ausgang, das war eine seiner besonderen Spezialitäten« (so die Zeit vom 17. Januar 1992). Sein erstes belletristisches Buch veröffentlichte Mensching im schon gereiften Alter von fast 50 Jahren. Die Bilanz seitdem: in neun Jahren zwölf Bücher.
Felix Wilhelm Beielstein, 1886 in Bochum geboren, lebte bis zu seinem Tod 1964 in Essen und Bochum. Der Lyriker, Epiker und Dramatiker war im Hauptberuf Ingenieur und Geologe. Er bereiste beruflich jahrelang ganz Europa. Sein Werk spielt jedoch fast ausschließlich im Ruhrgebiet.
Literarische Stätte: Sein Nachlass befindet sich im Stadtarchiv Essen.
Hinweise: Sondersammlungen zur Bergarbeiterliteratur befinden sich in der Bochumer Bibliothek des Deutschen Bergbau-Museums, der Bibliothek der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie, im Institut zur Erforschung der europäischen Arbeiterbewegung an der Ruhr-Universität Bochum, im Stadtarchiv Bochum sowie in der Bibliothek der Westfälischen Berggewerkschaft. Das Deutsche Institut für Puppenspiel (Hattinger Straße 467) vergab seit 1986 alle zwei Jahre den Bochumer Textpreis für Figurentheater. Das Institut wurde 1992 nach 40jähriger Tätigkeit aufgelöst. In Bochum besteht weiterhin seit 1963 die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft, deren Geschäftsstelle 1993 Geschäftsstelle nach dem Zusammenschluß mit der Weimarer Schwestergesellschaft dorthin abwandert, das Shakespeare-Archiv bleibt jedoch in Bochum. Zu erwähnen ist außerdem die Literarische Gesellschaft Bochum. Jährlich wird zudem der Kultur-/Literaturpreis Forum Kohlenpott vergeben und im Zweijahresturnus der Peter Weiss-Preis.
In Bochum existiert ein privates Krimi-Archiv, das Reinhard Jahn und Werner Puchalla eingerichtet haben. Es trägt den beziehungsreichen Kurztitel »BKA« und beherbergt über 11.000 Romane und Informationen über Kriminalschriftsteller. Gegründet wurde das Archiv im März 1984 – genau 25 Jahre nach dem Tod Raymond Chandlers. Das weite Ziel: Hier einmal alle Krimis in deutscher Sprache greifbar zu haben. Die Sammeltätigkeit brachte u.a. ein Lexikon der deutschen Krimi-Autoren auf Diskette hervor.
Seit 1985 stiftet das BKA einen mittlerweile zu Ansehen gekommenen Deutschen Krimipreis. Der Sieger erhält keine Geldsumme, sondern eine vergoldete Revolverkugel.
Schauplatz: Reminiszenzen an Bochum flossen ein in Felix Beielsteins Rauch an der Ruhr (Roman, Stuttgart 1932) und weitere seiner Romane und Novellen, ebenso in Georg Breukers Zwei Vettern (Bergmanns-Roman, Hattingen 1958) und Urs Jaeggis Brandeis (Roman, 1979). Bekanntester Ruhrgebietsschriftsteller ist Max von der Grün, vgl. seine Romane Männer in zweifacher Nacht (1962), Irrlicht und Feuer (1963), Flächenbrand (1979), Stellenweise Glatteis (1975).

