Eslohe

Joseph Pape (1831-1898), ein Freund Friedrich Wilhelm Grimmes (s. Arnsberg, Olsberg-Assinghausen) aus Arnsberger Schultagen, verbrachte seine Jugend in Eslohe, Allendorf und Hellefeld. Geboren wurde er 1831 in Eslohe. Im selben Jahr verstarb sein Vater. Seine Mutter war als Haushälterin bei verschiedenen Pastören tätig und sorgte trotz finanzieller Sorgen dafür, dass ihr begabter Sohn 1843 das Gymnasium in Arnsberg besuchen konnte. 1849 schloß er es als jüngster und bester Abiturient ab. Nach dem Jurastudium in München und Tübingen kehrte er als Referendar (1853-1858) nach Arnsberg zurück. 1861 ließ er sich als Rechtsanwalt in Hilchenbach nieder. 1866 siedelte Pape mit seiner Familie nach Büren über (Haus an der Lindenstraße), wo er bis zu seinem Tod 1898 lebte.

 

Pape, der »Romantiker des Sauerlandes« (Gisela Grimme-Welsch), verfaßte unter dem Pseudonym Spielmann religiöse Lyrik und Epen wie den vielgelesenen Treuen Eckart (1854). Seine Stoffe bezog er aus der mittelalterlichen Geschichte und Mythologie. Nachdem seine frühen Gedichte Anerkennung und breite Leserschaft gefunden hatten, verblaßte sein Ruhm schnell. Sein »sehnsüchtig träumendes, halb phantastisch, halb prophetisches Wesen« (Gisela Grimme-Welsch) war unzeitgemäß geworden, seine schwer verständliche, durch ihre manierierte Form dem Symbolismus nahestehende Lyrik konnte nicht auf Breitenwirkung hoffen.

Im Alter, nach mehreren Schicksalsschlägen selbst nicht mehr gesund – er verlor früh Frau und zwei Töchter, widmete er sich vor allem religiösen Fragen. »Pape ist seither höchst kontrovers gewürdigt worden. Die Urteile schwanken zwischen Vergleichen mit Klopstock und Hebbel in der Literaturgeschichte des Wieners Josef Nadler und Ratlosigkeit, wo er einzuordnen sei.« (Magdalena Padberg)

Literarische Stätte: Geburtshaus in Eslohe, ein erhaltener Fachwerkbau. Dort wurde 1931 zum 100. Geburtstag Papes eine Gedenktafel für den Sänger deutscher Treue und Einheit angebracht; im Rathaus (Schultheiß-Straße 2) Pape-Zimmer, das zugleich als Standesamt genutzt wird; Pape-Straße im Ortskern; Grab auf dem Friedhof in Büren.

 

»Trotz manchen hochdeutschen Einflüssen scheint sie mir eine niederdeutsche Dichterin von großem Wohllaut und feinem, echten Gefühl, das sich besonders in ihren Kinderliedern und ihren religiösen Dichtungen zeigt. Auf jeden Fall ist sie eine schlichte reine Seele von großer Herzensgüte und tiefer Frömmigkeit« – so Augustin Wibbelt (s. Ahlen-Vorhelm u.ö.) über Christine Koch (s. Marsberg, Schmallenberg-Bracht). Die häufig als «Suerländer Nachtigall« bezeichnete Autorin ist zwar hauptsächlich als Mundartdichterin bekannt, hinterließ jedoch auch etwa 300 hochdeutsche Gedichte sowie etwa 250 Erzählungen, Kurzgeschichten, Legenden und einen unvollendeten Roman.

»Sie war eine Bauerntochter, am 23. April 1869 in Herhagen, Kreis Meschede, nahe dem heutigen Hennesee als Christine Wüllner geboren, wurde Volksschullehrerin und wirkte in Niedermarsberg, Padberg und Vogelheim bei Essen-Borbeck. 1905 heiratete sie in Bracht, Kreis Meschede, den Land- und Gastwirt Wilhelm Koch. Hier lebte sie fortan bis zu ihrem Tod am 19. April 1951, ein halbes Jahrhundert lang. War Landfrau und Mutter von vier Kindern und hatte immer arbeitsreiche Tage.« (Siegfried Kessemeier).

1939 erhielt sie den erstmals vergebenen Klaus-Groth-Preis für niederdeutsche Lyrik und 1943 den Westfälischen Literaturpreis.

»[…] es ist die Lyrik der Christine Koch […] , der es erstmals gelang, dem sauerländischen Platt Gedichte von Rang abzugewinnen. […] Die Lyrik Christine Kochs hat jenseits […] der immer wieder mit ihr im Zusammenhang genannten sauerländischen Autorinnen Josefa Berens und Maria Kahle Eigenständigkeit und Rang als Beitrag zur niederdeutschen Literatur und speziell zur Mundartdichtung des Sauerlandes. Man sollte sie neu zu sehen versuchen: als literarische Form und Aussage, als dichterische Gestaltung.« (Siegfried Kessemeier)

1924 erschien Christine Kochs erster Gedichtband Wille Räosen. Gedichte in sauerländischer Mundart; es folgten der Prosaband Rund ümme'n Stimmstamm rümme und 1929 die Lyriksammlung Sunnenried. Gedichte in sauerländischer Mundart (1938 zusammen mit Wille Räosen erneut veröffentlicht); etwa 100 Gedichte Christine Kochs wurden von dem sauerländischen Komponisten Georg Nellius vertont.

 

Literarische Stätte: Als Abteilung des Esloher Maschinen- und Heimatmuseums befindet sich ein Christine-Koch-Archivim Rathaus der Stadt. Dort wird auch ein Christine-Koch-Werkausgabe erarbeitet, die Teile des heute kaum greifbaren Werks sowie Nachlasstexte und Briefe wieder zugänglich macht.