Hamm

In Hamm wurde 1770 Rulemann Friedrich Eylert (†1852 Berlin) geboren, der erste Bischof der vereinigten lutherischen und reformierten Kirche in Preußen. Nach dem Studium in Halle kehrte er 1794 als Prediger nach Hamm zurück. Der volkstümliche theologische Schriftsteller genoß die Sympathie des Freiherrn vom Stein. Auf seine Empfehlung rief Friedrich Wilhelm III. 1806 den glänzenden Kanzelredner als Hof- und Garnisonsprediger nach Potsdam. Eylert trat bald in ein enges persönliches Verhältnis zum Königspaar und wurde der Berater des Königs in kirchenpolitischen Angelegenheiten, vor allem im Agendenstreit. 1818 erfolgte seine Ernennung zum Bischof und Mitglied des Ministeriums und Staatsrats. 1844 zog er sich ins Privatleben zurück. (Hedwig Gunnemann). Eylert verfaßte zahlreiche Predigten und historische Skizzen, darunter Zwischen Hamm und Potsdam. Ausgewählter Nachdruck der »Charakterzüge und historischen Fragmente aus dem Leben des Königs von Preussen Friedrich Wilhelm III.« (Paderborn 1988).

 

Die zu ihrer Zeit sehr populäre Belletristin Clara Ratzka (*Ernst; *1872 Hamm –†1928 Berlin) (s. Münster) war die Tochter des Generaldirektors des Eisenwerks Westfälische Union, Josef Ernst. 1879 zog die Familie von Hamm nach Münster, wo sie ihre Jugend verbrachte. Mit 19 Jahren begann sie im Kloster Mariental der Borromäerinnen im holländischen Groesbeek eine dreijährige Ausbildung als Lehrerin. Nach ihrer Rückkehr nach Münster heiratete sie den westfälischen Industriellen Clemens Linzen aus Unna, von dem sie sich nach neunjähriger Ehe scheiden ließ. Sie zog mit ihrer Tochter nach Berlin, studierte dort Nationalökonomie, Literatur und Philosophie und unternahm ausgedehnte Reisen. 1911 ging sie mit dem damals bekannten Porträtmaler Arthur Ludwig Ratzka ihre zweite Ehe ein. In Tübingen promovierte sie zum Dr. der Staats- und Sozialwissenschaften und engagierte sich zudem in der Frauenbewegung. Ihren ersten Roman schrieb sie während des Ersten Weltkrieges im Anschluß an eine Adria-Reise. In dritter Ehe war sie mit einem Studienfreund, dem Juristen und Diplomaten Ernst Wendler, verheiratet. Mit ihm lebte sie mehrere Jahre in London, Paris und zuletzt in Berlin-Zehlendorf. Dort verstarb sie am 3. November 1928.

 

Literarische Stätten: Peter Hille (s. Nieheim-Erwitzen) hielt sich von 1891 bis 1893 bei seinem Bruder Philipp, einem Kaplan an St. Agnes in Hamm, auf. Er wohnte damals im Katholischen Gesellenhaus und nannte sich in dieser Zeit Peter von Hamm. Das Gesellenhaus (Brüderstraße 39) gehört heute zum Komplex des Kolpinghauses (Oststraße 53). Es wurde 1892 auf Anregung Peter Hilles eingerichtet und eingeweiht.

 

Annette von Droste-Hülshoff (s. Münster-Nienberge u.ö.) besuchte verschiedentlich in ihrer Jugendzeit und 1835 ihre Verwandten von Böselager auf dem Wasserschloß Haus Heessen (heute Landschulheim Schloß Heessen, privates Gymnasium und Internat).

 

Hinweise: In Hamm wurde 1989 der Ingeborg-Drewitz-Literaturpreis für Gefangene (s. Dortmund) begründet, der zukünftig im Zweijahresturnus vergeben werden soll.

Außerdem wird hier regelmäßig ein Autorenwettbewerb vom Verband Deutscher Freilichtbühnen ausgeschrieben.

 

Schauplatz: In Hamm spielen Clara Ratzkas Familie Brake (Roman, 1919) und Frau Doldersum und ihre Töchter (Roman, 1921f.) sowie Sophie Modianos [Gerda Brockmanns] Spät erklingt, was früh erklang (Roman, 1962). Einen Roman über das Kernkraftwerk Hamm-Uentrop schrieb Dieter Schliewka (Kinder der Taublume 1987).