»Man geht durch die Stadt, wie wenn man ein großes Bilderwerk durchblättert, ein Tausend-und-ein-Haus-Bilderbuch voll Märchen, Fabeln, Schwänken und Balladen, die bald traurig, bald lustig und auch schaurig sind.« (Ricarda Huch)
Nach dem Studium bereiste Engelbert Kaempfer (Lemgo 1651-1716) als schwedischer Legationsrat und Gesandtschaftsarzt im Dienst der Ostindischen Companie für zehn Jahre Persien, Vorder- und Hinterindien, Sumatra, Java, Siam und Japan. Der berühmte Forschungs- und Entdeckungsreisende bereiste und erforschte als erster Europäer Japan systematisch. 1692 zurückgekehrt, promovierte er in Leyden und ließ sich 1694 als lippischer ›Leibmedicus‹ in Lemgo nieder. Hierdurch fehlte ihm die Zeit, seine Forschungen auszuarbeiten. Seine Geschichte und Beschreibung Japans aus dem Jahre 1727/29 erschien zuerst in Englisch, Holländisch und Französisch und erst zuletzt in deutscher Sprache. Zu seinen Lebzeiten gelangte überhaupt nur die Amoenitates exoticae (1712) zur Veröffentlichung.
Literarische Stätte: Kaempfer-Denkmal auf dem Lemgoer Wall; Kaempfer-Zimmer im Hexenbürgermeisterhaus (Breite Straße 19) mit Reisebeschreibungen und Zeichnungen. Anderes (auch Tagebuch und Briefe) liegt noch unveröffentlicht im British Museum in London. Im Hexenbürgermeisterhaus sind auch Werke des Osnabrücker Geschichtsschreibers Hermann Hamelmann (s. Bielefeld) zu sehen, der von 1555 bis 1568 Pastor an St. Marien in Lemgo war.
Kaempfers Wohnhaus bei Lemgo, der Steinhof in Lieme, wurde in den Jahren 1820 bis 1827 vom damaligen Pfarrer Johann Friedrich Wilhelm Pustkuchen-Glanzow (s. Detmold) bewohnt.
Christian Conrad [Wilhelm] von Dohm wurde 1751 als Sohn eines Predigers in Lemgo geboren. Von 1759 bis 1769 besuchte er das Gymnasium seiner Heimatstadt. Sein aufgeklärter Mentor Johann Lorenz Benzler (s. Detmold) vermittelte die Bekanntschaft mit Johann Ludwig Wilhelm Gleim. Nach dem Theologie- und Jurastudium war Dohm Sekretär des berühmten Reformpädagogen Johann Bernhard Basedow (1723-1790) in Altona und Dessau, anschließend freier Schriftsteller und ab 1773 Hofmeister des preußischen Prinzen Ferdinand. Hierauf ging er nach Berlin und 1774 zur Wiederaufnahme des Jurastudiums nach Göttingen, wo er im Kreis so bekannter Literaten wie Georg Forster, Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Friedrich Heinrich Jacobi und Moses Mendelssohn verkehrte. Mit Heinrich Christian Boie gründete er 1776 das literarisch bedeutende Organ Teutsches Museum. Dohm war später Professor am Carolinum in Kassel sowie preußischer Minister und Staatsrat in Berlin und Kassel. Im Jahre 1810 zog er sich auf sein Landgut Pustleben zurück, wo er eine der umfassendsten Darstellungen seiner Epoche, die Denkwürdigkeiten meiner Zeit, verfaßte.
Dohm war mit zahlreichen bedeutenden Gelehrten und Philosophen befreundet. Unter anderem mit Goethe und Friedrich Nicolai stand er im regen Briefwechsel. Er war Mitbegründer der Gesellschaft der Freunde der Aufklärung in Berlin. Als Reformator der Verfassung und des Schul- und Kirchenwesens setzte er sich als erster Deutscher für eine umfassende bürgerliche Gleichberechtigung der Juden auf allen Gebieten ein. Er starb 1820 in Pustleben.
Sängerin Westfalens – diese Ehrenbezeichnung wurde der 1723 in Altendonop bei Lemgo geborenen Charlotte Wilhelmine Amalie von Donop zuteil. Die kaiserlich gekrönte Poetin war die Tochter eines Drosten. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wuchs sie bei einer Tante in Horn auf. Ihr Wunsch, an der Akademie Göttingen Philosophie zu studieren, wurde von ihrem Vormund zunichte gemacht. Nach dem Tod ihrer Tante siedelte sie nach Lemgo über, wo sie im Jahre 1800 verstarb.
Johann Albert Hermann Heldmann (geboren 1734) war nach dem Studium in seiner Heimatstadt Lemgo als Sekretär tätig. Es folgten viele öffentliche Ämter, unter anderem das des Bürgermeisters. Heldmann begründete 1767 das Lippische Intelligenz-Comptoir, ein gelehrtes Anzeigen- und Unterhaltungsblatt, dem er bis 1772 als Redakteur vorstand. 1769 gab er einen eigenen Gedichtband heraus.
Einen Namen als Volksaufklärer, Übersetzer und Fabeldichter machte sich der Herausgeber Johann Lorenz Benzler. Er wurde 1747 in Lemgo als Sohn eines lippischen Rats und Hofgerichtsassessors geboren. Nach dem Jurastudium in Leipzig war er zunächst Sekretär des Lemgoer Buchhändlers Christian Friedrich Helwing (1725-1800) und daneben im Postdienst tätig. Von 1773 bis 1783 redigierte er das Lippische Intelligenzblatt. In dieser Zeit erfolgte seine Ernennung zum Stolbergischen Rat und Bibliothekar in Wernigerode, wo er 1817 starb.
1892 in Lemgo geboren wurde der Mediziner und Dadaist Carl Doehmann (Daimonides; s. Steinfurt-Burgsteinfurt).
Zum Schauplatz Lemgo vgl. George Ludwig Herschels Buchführer von Lemgo (Bielefeld 1873), Karl Meyer-Lemgos Der Hexenbürgermeister von Lemgo (Roman, 1951) und Albert Schaeffers Der Roßkamm von Lemgo (Roman, 1933). Die Geschichte des Buchdrucks im Lemgo schildert Ernst Weißbrodts Abhandlung über Die Meyersche Buchhandlung im Lemgo und Detmold und ihre Vorläufer (Detmold 1914).