Dass der Literat, Historiker und Rechtsgelehrte Anton Mathias Sprickmann (1749-1832) im Jahre 1776 in Münster für Klopstocks Gelehrtenrepublik 56 und den Voß'sche Musenalmanach 52 Subskribenten sammeln konnte – unter 39 Städten rangierte Münster damit immerhin an siebter Stelle –, könnte den Eindruck erwecken, als habe hier das literarische Leben damals nur so geblüht. Auch hatte sich hier 1772 die erste Dichtervereinigung Westfalens, eine literarische Gesellschaft ohne Statuten, zusammengefunden, die Kontakte mit bekannten Dichtern der Zeit unterhielt. In Wirklichkeit war diese Hochblüte jedoch nur von kurzer Dauer.
Sprickmann war Herz und Kopf des damaligen literarischen Lebens in Münster. Seine ersten literarischen Gehversuche hatte er als ›Hofdichter‹ des Ministers und Generalvikars Franz von Fürstenberg (1729-1810) unternommen. Gewissermaßen auf Bestellung lieferte er für das von diesem 1775 gegründete Theater epigonale Stücke, die ihn – trotz ihrer geringen literarischen Qualität – über Münster hinaus bekannt machten. Als sein literarisches Schaffen jedoch durch einen Studienaufenthalt in Göttingen und die Freundschaft mit Dichtergrößen wie Friedrich Gottlieb Klopstock, Johann Heinrich Voß und Heinrich Christian Boie ambitioniertere Züge erlangte und Sprickmann sich gar der Sturm- und Drang-Bewegung anschloss, rief ihn Fürstenberg zur Ordnung. Daran änderten auch Sprickmanns literarischen Erfolge nichts. Sein Drama Eulalia machte damals Sensation in der Lesewelt und wurde zu den besten Stücken des Jahres 1777 gezählt, sein Lustspiel Der Schmuck sogar 1779 in Wien preisgekrönt und später von Johann Wolfgang von Goethe in Weimar inszeniert.
In Münster aber wurde Sprickmann verspottet und selbst von seinem Gönner Fürstenberg als Schönschreiber denunziert.
Sprickmann dichtete: »Doch hier, wo zärtliches Gefühl / Noch nicht in wilden Herzen wohnet / Wo Dummheit ungestört noch thronet, / Was hilft mir hier mein Saitenspiel?«
Von hypochondrischen Anfällen geplagt, trug er sich sogar mit Auswanderungsplänen bis nach Tahiti. Fast zwangsläufig entsagte er schließlich der eigenen literarischen Produktion und entschied sich für die bürgerliche Laufbahn des Universitätsprofessors.
Um 1810 begegnen wir ihm als Förderer hoffnungsreicher literarischer Talente wieder, darunter Franz von Sonnenberg und Katharina Schücking (s. Ahlen). Seine bedeutendste Schülerin war Annette von Droste-Hülshoff. Ihre Briefe an den lieben, väterlichen Freund legen Zeugnis ab von der uneingeschränkten Verehrung, die Sprickmann damals bei seinen Schülern in Münster genoss. 1814 ging er an die Universität Breslau. Erst danach setzte der Briefwechsel der Dichterin mit dem fast 50 Jahre älteren Gelehrten ein.
Der erwähnte Franz von Fürstenberg (1729-1810), der sich als Minister des Fürstbistums Münster große Verdienste erwarb, war ganz vom aufgeklärten Geist erfüllt. Von ihm stammt der Satz: »Menschen bilden bleibt allezeit die wichtigste Staatsangelegenheit.« In seiner Schulordnung von 1776 findet sich auch ein Passus über die Dichtkunst. Diese sollte der Verfeinerung des Geschmacks und der Verbreitung des Erhabenen und Schönen dienen und außerdem die Empfindsamkeit erhöhen. Fürstenberg versuchte sogar, Klopstock nach Münster zu ziehen, um eine Erziehung zu verwirklichen, bei der das Herz nicht austrockne. Modephilosophie und poetische Schwärmerei lehnte er dagegen strikt ab, da sie am Unheil unserer Zeit größten Anteil hätten. Einen Lehrstuhl für Schöne Wissenschaften sollte es deshalb an der Universität Münster nicht geben: »Dieser Lehrstuhl vermehrt die Zahl von Dichterlingen, Romanschreibern und dergleichen Belletristereien, womit der Welt nicht gedient ist.« (Fürstenberg)
Mit dem vermeintlich so aufgeschlossenen Klima unter Fürstenberg war es insgesamt nicht weit her. Der Kreis von Münster um die Fürstin Amalia von Gallitzin (s. Münster-Angelmodde) (1748-1806) war eher religiös-philosophisch als literarisch orientiert, obwohl dieser ›familia sacra‹ Dichterpersönlichkeiten wie Klopstock, Friedrich Leopold Stolberg (s. Hörste-Stockkämpchen, Münster-Gremmendorf), Mathias Claudius, Johann Kaspar Lavater, Johann Georg Hamann, der Magus des Nordens, und sogar Goethe nahestanden.
Auf Betreiben der Landstände war z.B. die Gründung von Lesegesellschaften – die anderswo, auch in westfälischen Städten, zahlreich entstanden – kurzerhand verboten worden. Auch im Verlagsleben spielte die sogenannte ›Schöne Literatur‹ noch keine Rolle. Bei Aschendorff machte sie nur ein Prozent des Verlagsprogrammes aus. Wer wollte, konnte sich immerhin mit Lesestoff aus den Leihbibliotheken versorgen. Aber es gab längst nicht alles zu lesen. Auch hier übte Fürstenberg strenge und kleinliche Zensur aus; Literatur, die nicht der Verbreitung des ›Guten und Schönen‹ diente, nicht religiösen oder aufklärerischen Mustern gehorchte oder gar politisch angehaucht war, wurde konfisziert.
Unmittelbaren Bezug zur ›familia sacra‹ hat der Besuch eines der größten philosophischen Denker der Zeit, Johann Georg Hamann (1730-1788), in Münster. Angebahnt wurde der Kontakt durch Franz Kaspar Bucholtz' (s. Ochtrup-Welbergen) 1784 brieflich vorgebrachte Bitte, Hamann in Königsberg besuchen zu dürfen. Dazu übersandte er zur Erziehung von Hamanns Kindern eine Summe von 4.000 Reichstalern. Fast gleichzeitig machte die Fürstin Gallitzin nähere Bekanntschaft mit Hamanns Schriften. Als sich Bucholtz' Reise nach Königsberg nicht realisierte, gelang es, Hamann zu einer Reise nach Münster zu bewegen. Am 16. Juli 1787 traf er dort ein.
Seine erste Begegnung mit der Fürstin Gallitzin schilderte er am 16. August 1787 in einem Brief an Reichardt:
»Einer meiner angenehmsten und merkwürdigsten Tage, die ich in Münster erlebt, war der erste Besuch im Hause der Fürstin Gallitzin. Eines Hemsterhuis Diotima ist eine so einzige Erscheinung in ihrer Art, daß ich armer Invalid eben so viel Zeit nöthig haben werde, den Schatz ihres Geistes und Herzens, als ihrer in allen Sprachen, Wissenschaften und Künsten reichen und prächtigen Sammlungen zu übersehen.«
Im Anschluss an einen bis Anfang November 1787 währenden, fast dreimonatigen Besuch bei dem Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi in Pempelfort bei Düsseldorf verbrachte er die Wintermonate von Dezember bis zum 19. März auf Bucholtz' Schloß Welbergen. Dort wurde er einmal von der Fürstin besucht.
In seinen letzten Lebensmonaten – Hamann starb am 22. Juni 1788 in Bucholtz' Stadthaus, ursprünglich hatte er Münster wieder verlassen wollen, um über Düsseldorf, Frankfurt und Weimar nach Königsberg zurückzukehren – kam es zu einer verstärkten inneren Beziehung zwischen ihm und der Fürstin. Sie notierte in ihrem Tagebuch:
»so viel ahndet mir immer mehr – daß Hamann der wahreste Christ ist den ich noch gesehn habe. – seine dunkle redensarten, seine anscheinenden wiedersprüche, ruhen meistens aus der reinsten erhabensten Quelle.«
Über die Bedeutung Hamanns für die ›familia sacra‹ heißt es rückblickend:
»Für den Kreis von Münster ging mit Hamanns Tod die erste große Epoche zu Ende. Zwar hatte man am Gang der Welt- und Reichsgeschichte keinen aktiven Anteil mehr; in auffallender Parallelität zu dem größeren Geschehen jedoch entwickelten sich hier die eigenen Gesetze. In der folgenden Zeit glaubte man, sich gegen die Welt absichern zu müssen. Andererseits begannen sich im »Kreis von Münster« aber auch solche selbstbezogenen Lebens- und Denkformen zu entwickeln, in denen man auf Anregungen von außen nicht mehr so bereitwillig und schon gar nicht begierig reagierte.« (Sudhoff)
Darüber hinaus entstand im Umfeld des Kreises eine wirksame Linie der Hamann-Forschung, insbesondere durch Friedrich Jacobis 1812 begonnene Hamann-Ausgabe.
Ein weiterer, vom ›Kreis von Münster‹ ausgehender literarhistorischer Bezug ergab sich 1792. Gemeint ist ein Besuch Johann Wolfgang von Goethes in Münster im November des Jahres. 1785 hatte eine kleine westfälische ›Delegation‹, der neben der Fürstin und Fürstenberg auch der Schöngeist Anton Mathias Sprickmann angehörte, Weimar besucht. Fürstenberg wandelte damals jedoch nicht auf literarischen Spuren, sondern wollte Schulen, Universitäten und Bibliotheken besichtigen, um für seine Reformtätigkeit zu lernen.
Die Persönlichkeit der Fürstin beeindruckte Goethe damals tief. Umgekehrt war er für sie nach dem Besuch der einzige der berühmten Männer, »der mich als Mensch wahrlich begeistert und mein Herz gerührt hat«. In ihrem Briefwechsel findet diese Hochachtung weiteren Ausdruck. Der Kontakt zu Goethe brach dann aber für mehrere Jahre ab und wurde erst durch dessen Besuch in Münster im Jahre 1792 wiederbelebt. Der anschließende Briefwechsel beider währte bis zum Tode der Fürstin 1805. So stand man sich persönlich nahe, ohne sich in den – für die Fürstin entscheidenden – religiösen Fragen wesentlich näherzukommen. An diesen gegenläufigen Auffassungen änderte auch Goethes Besuch in Münster nichts.
Anläßlich seines Abschieds hielt er fest: »Die bedeutenden Punkte des Lebens und der Lehre kamen abermals zur Sprache, ich wiederholte mild und ruhig mein gewöhnliches Kredo, auch sie verharrte bei dem ihrigen. Jedes zog nun seines Weges nach Hause; sie mit dem nachgelassenen Wunsche, mich, wo nicht hier doch dort wieder zu sehen.«
Goethe war damals von Koblenz aus nach Münster gekommen. Am 8. August 1792 hatte er Weimar verlassen, um gemeinsam mit Herzog Carl August – seinem Freund und Mäzen, in dessen Diensten er stand – den Feldzug der preußischen Armee in der Campagne mitzumachen. Anschließend war er mit seinem Diener Götze moselabwärts gefahren und hatte in Koblenz Urlaub genommen. Ursprünglich wollte er von dort unmittelbar nach Weimar zurückkehren, mietete dann aber ein Boot bis Düsseldorf. Vom 1. November bis 4. Dezember war er Gast Jacobis in Pempelfort. Dieser lieh ihm zur Weiterfahrt einen schweren Reisewagen, mit dem Goethe über Duisburg, Münster und Kassel nach Weimar zurückkehrte. Die Erlebnisse der Reise – auch der Besuch in Münster – flossen in Campagne in Frankreich ein, ein Kapitel aus Goethes Autobiographie Aus meinem Leben.
In Münster traf Goethe in der Nacht vom 6. zum 7. November 1792 ein. Sein erster Eindruck von der Stadt war nicht gerade überwältigend:
»[…] gelangte erst tief in der Nacht zur Stadt […] ich fuhr […] an einen Gasthof [Stadt London, am Prinzipalmarkt], wo mir aber Zimmer und Bette durchaus versagt wurde; […]. Unter diesen Umständen bedachte ich mich nicht lange und brachte die Stunden auf einem Stuhle und in der Wirtsstube hin.«
Drei Tage später brach Goethe schon wieder auf.
Zeugnisse des Preußen Justus Gruner in seiner Wallfahrt zur Ruhe und Ordnung (1802) stellen dem Kulturleben der Stadt Münster Anfang des 19. Jahrhunderts ebenfalls ein nicht sehr günstiges Zeugnis aus. Nach den Worten des Münsterer Taschenbuchherausgebers Friedrich Raßmann gehörte es hier damals zum guten Ton, sich gerade nicht in der Literatur auszukennen.
Raßmann selbst versuchte in den ersten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, dem literarischen Leben der Stadt Impulse zu verleihen, resignierte jedoch. Mit seinen Projekten lebte er trotz unermüdlichen Arbeitseifers am Rande des Existenzminimums.
1807 veröffentlichte Raßmann zur Vorbereitung seines Taschenbuches Mimigardia einen Aufruf, in dem es unter anderem heißt:
»[…] kam ich auf den Gedanken, ob sich die Hauptstadt Westfalens, die in den Annalen der poetischen Literatur ewig dadurch glänzen wird, daß ein Sonnenberg daselbst geboren wurde und seine erste Bildung empfing, nicht ein eigener jährlicher Almanach zustande bringen ließe.«
Jener Franz von Sonnenberg wurde 1779 in Münster als Sohn eines Hauptmanns geboren. Er fühlte sich schon früh zum Dichterberuf bestimmt und entwarf 15jährig eine große Epopöe (Das Weltende). Nach der Gymnasialzeit studierte er bis 1798 in Jena die Rechte. Ausgedehnte Reisen führten ihn anschließend nach Wien, Genf und Paris (1802). Nach seiner Rückkehr nach Münster war er lange Zeit über seine weitere berufliche Laufbahn unschlüssig. Infolge einer nie überwundenen unglücklichen Liebe stellte sich eine starke nervliche Zerrüttung ein. Neue Reisen führten ihn seit Dezember 1803 nach Kassel, Minden, Göttingen und im Sommer 1804 nach Jena. Im nahegelegenen Drakendorf arbeitete er im Winter 1804/05 ausgiebig an seinem Weltepos Donatoa. Auch aufgrund völliger Überarbeitung stellten sich neue Krisen ein. Neuen Mut gab ihm seine flammende Begeisterung für die Erhebung Deutschlands gegen Frankreich. Er schwelgte in dem Gedanken, »der letzte Teutsche« zu sein (Allgemeine Deutsche Biographie).
Nach Eintreffen von Kriegsnachrichten zugunsten Frankreichs nahm er sich 1805 durch Freitod das Leben. Levin Schücking erkannte in Sonnenbergs Schaffen etwas wild Überschäumendes:
»Sonnenberg wagt sich an das Ungeheuerlichste, zu dem je das Wildfeuer poetischen Wahnsinns emporgelodert ist.«
Mit seinem Epos Donatoa beabsichtigte Sonnenberg, der Klopstock des katholischen Deutschlands zu werden (Klopstock war nichts weniger als der berühmteste Dichter des 19. Jahrhunderts). Mit ihm wollte er die Grenzen des westfälischen Provinzialismus sprengen.
Ein Weg- bzw. Leidensgenosse Raßmanns war der Anthologist Friedrich Arnold Steinmann (*1801 Kleve – †1875 Münster), der Sohn eines Regierungsbeamten. Er lebte seit 1803 in Münster. Während seines Jurastudiums in Bonn schloß er Freundschaft mit Heinrich Heine (s. Paderborn, Unna), mit dem er im Briefwechsel stand. 1822 kehrte er nach Münster zurück und trat in den Justizdienst ein. Zwei Jahre später war er Mitglied des 1824 gegründeten Münsterer Literaturzirkels Die Haimonskinder, dem unter anderem Benedikt Waldeck und Christoph Bernhard Schlüter (s. Warendorf) angehörten. Ein kritischer Aufsatz in seinem Magazin Mefistofeles brachte ihm 1845/1846 eine viermonatige Festungshaft in Münster ein. Bald nach seiner Freilassung wurde er, wegen scharfer Angriffe gegen den Verleger Cotta, erneut zu einer zehnmonatigen Festungshaft verurteilt. Das Verfahren endete zwar mit einem halben Freispruch (Umwandlung der Haftstrafe in eine Geldbuße), doch wurde Steinmann allmählich für den Staatsdienst untragbar. So folgte 1854 aufgrund einer Veröffentlichung über die Geschichte der Revolution in Preußen (1849) seine endgültige unehrenhafte Entlassung. Steinmann verstarb 1875 in Münster.
In die Literaturgeschichte eingegangen ist Steinmann hauptsächlich durch seine Heine-Fälschungen. In einer Mischung aus Dichtung und Wahrheit gab er Briefe, nachgelassene Dichtungen und Dokumente als Heine-Originale aus – in Wirklichkeit stammte alles aus seiner Feder.
Auch Mathilde Franziska von Tabouillot (s. Hattingen-Sprockhövel) versuchte sich in Münster als freie Schriftstellerin. Sie gab ebensowenig erfolgreich wie Raßmann und Steinmann poetische Taschenbücher heraus. Den Briefen Annette von Droste-Hülshoffs zufolge war sie eine diskreditierte Person, weil sie sich als Katholikin hatte scheiden lassen. Die Droste wollte deshalb nur ungern an den Producten der rothen Erde mitarbeiten, die Mathilde von Tabouillot 1846 herausgab.
»Die Producte stehen – am Ende der Taschenbuchära – einigermaßen auf verlorenem Posten. Daß das Westfälische Jahrbuch ebenso kläglich einging wie ähnliche Unternehmungen zuvor, lag also nicht allein am fehlenden patriotischen Geist der Münsterländer und der weltanschaulichen Neuorientierung der Herausgeberin, sondern auch daran, daß die Lesewelt nun nach anderer Lektüre verlangte.« (Winfried Woesler)
Literaturliebhaberei fand in Münster, wenn überhaupt, im kleinen, privaten Lesezirkel statt, etwa der Heckenschriftsteller-Gesellschaft, die sich seit dem Winter 1839/1840 einmal wöchentlich im Hause der Elise Rüdiger (s. Minden), Gattin eines preußischen Oberregierungsrates, traf. Diesem Kränzchen gehörte auch die Droste an.
Über Freiligrath, der 1839 eine Einladung dieses Kreises ignorierte, äußerte die Droste abfällig in einem Brief an ihre Schwester:
»Ich freue mich, ihn nicht gesehen zu haben, er muß ein kompletter Esel sein. So ein Ladenschwengel braucht wahrhaftig nicht zu tun, als ob unser Kränzchen ihm die Schweine hüten müßte! Sein schneller und gigantischer Ruhm hat ihn ganz rapplicht gemacht […]. Hier in Norddeutschland sind die Leute ganz wie betrunken von seinen Gedichten; schön sind sie auch, aber wüst.«
Annette in Münster – Salzstraße vier, / beim Schneider Ahlers, / fliegt das Maßband. / »Das Fräulein von Droste, / zu dienen …« // Rüschhaus, Heide und Herdfeuerrauch / verrät die Witterung / dem blinden Professor, der // selbst öffnet, / Schlüter am Alten Steinweg. // In der Pferdegasse / der Buchhändler Theißing / steigt auf die Leiter / und offeriert dem Fräulein / die neuesten Bücher. // Am Prinzipalmarkt / (Kaufhallen und Winkelläden) / schlendert die Sammlerin, / am liebsten zwischen / Kunst und Antiquitäten, / selber in alter, lichtblauer Seide. // Zuletzt, auf einen Sprung, / hinüber zur Rothenburg. / Lies, der Freundin anzuvertrauen: / Aschendorff will es / mit einem Bändchen versuchen. (August Kracht)
Wer kam überhaupt als Leser in Frage? Das damalige Lesepublikum rekrutierte sich im wesentlichen aus den angesprochenen Zirkeln und ihrem Umkreis. »Der Adel liest keine Gedichte,« kommentierte Annette von Droste-Hülshoff fast lakonisch. Sie selbst wurde wiederholt in ihre engen gesellschaftlichen Schranken verwiesen. Vor allem die Männerwelt erhob Einwände gegen einen schriftstellerisch tätigen Blaustrumpf. Ganze 73 Exemplare ihres literarischen Debüts, das 1838 bei Aschendorff erschien, wurden abgesetzt. Der erste Versuch dieser Verlagsbuchhandlung, auch im Bereich der ›Schönen Literatur‹ Fuß zu fassen, war damit kläglich fehlgeschlagen. Man verlegte sich wieder auf das traditionelle Fach der Erbauungsschriften, Katechismen, Schulfibeln und Gebetbücher.
Alle Bemühungen der Freunde der Droste, die Ausgabe mit lancierten Rezensionen ins Gespräch zu bringen, halfen wenig. Aus der Feder des Sozialisten Friedrich Engels stammt die folgende Notiz:
»[…] und dann die alten schönen Städte, vor Allen Münster mit seinen gothischen Kirchen, mit den Arkaden seines Marktes, mit Annette Elisabeth von Droste Hülshoff und Levin Schücking. Der Letztere, den ich das Vergnügen hatte, dort kennen zu lernen, war so gütig, mich auf die Gedichte jener Dame aufmerksam zu machen.«
Der genannte Levin Schücking (s. Sassenberg, Leopoldshöhe-Niederbarkhausen u.ö.), der – wie unschwer zu überhören ist – die Bemerkung im Telegraphen für Deutschland veranlaßt hatte, stellt ein Bindeglied zur nächsten westfälischen Schriftstellergeneration dar. Schon früh arbeitete er an größeren literarischen Blättern mit. Doch auch seine Versuche, in Münster im Schriftstellerberuf ein halbwegs gesichertes Auskommen zu finden, blieben ohne Erfolg. Er ging zunächst als Redakteur der Allgemeinen Zeitung nach Augsburg, dann nach Köln, wo er das Feuilleton der Kölnischen Zeitung leitete, bevor er sich als freier Schriftsteller in Sassenberg niederließ.
Die Droste verband mit dem um 17 Jahre jüngeren, modernen Literaten eine intensive Freundschaft. Er führte sie an die Literatur der Zeit heran, sie half ihm bei seinen Projekten. In seinem Beisein entfaltete die Dichterin im Winter 1841/42 auf der Meersburg am Bodensee eine ungeahnte literarische Produktivität. Aufgrund einer Wette mit Schücking entstanden täglich ein oder sogar zwei Gedichte. Der Roman Die Ritterbürtigen führte zum Bruch. Schücking hatte darin Hintergrundmaterial, zu dem ihm die Droste verholfen hatte, indiskret verwandt. Die Dichterin: »Schücking hat an mir gehandelt wie ein grausamer Todfeind.«
Westfalen spielt im Werk Schückings eine große Rolle, besonders in seinen Romanen Die Ritterbürtigen (1846) und Paul Bronckhorst oder die neuen Herren. Ferner hat Schücking zahlreiche kleinere Aufsätze und Correspondenznachrichten über Münster verfaßt, außer für den Telegraphen z.B. auch für das Nürnberger Athenäum.
Eine gewisse Belebung erlebte das literarische Leben in Münster durch die ›Zuwanderung‹ preußischer Beamter. Die Ehefrau eines Majors in Münsterischen Diensten, Maria Johanna von Aachen geb. von Amboten (*1755 Vechta – †1845 Münster), verfügte zwar nur über mäßiges literarisches Talent – wie ihre empfindsamen, von persönlichen Schicksalsschlägen geprägten Gedichte in westfälischen Taschenbüchern zeigen –, betätigte sich aber mäzenatisch, indem sie den notleidenden Friedrich Raßmann unterstützte. Sie war Mitglied im literarischen Zirkel der Elise Rüdiger und der Elisa von Ahlefeldt verh. von Lützow. Im Briefwechsel Annette von Droste-Hülshoffs wird sie häufiger genannt, in deren Lustspiel Perdu! möglicherweise in der Figur der Frau von Austen karikiert.
Elisa von Ahlefeldt († Berlin 1835) wurde 1788 auf der dänischen Insel Langeland geboren. Sie kam durch Versetzung ihres Mannes, des Majors Ludwig Adolf von Lützow, 1817 nach Münster. In ihrem Zirkel (sie wohnte damals im alten Niesingkloster am Servati-Kirchplatz, Klosterstraße 90, heute Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern) begegnete sie Karl Leberecht Immermann (s. Soester Börde). Damit nahm eine siebzehn Jahre währende, wechselhafte Beziehung ihren Anfang. Nach der Trennung von ihrem Mann folgte sie 1824 Immermann nach Magdeburg, Dresden und Düsseldorf. In den Jahren 1827 bis 1839 unterstützte sie seine schriftstellerische Arbeit, nachdem es bereits in der Münsterer Zeit zu Anfängen einer gemeinsamen Übersetzung von Scotts Ivanhoe gekommen war. 1839 lernte Immermann Marianne Niemeyer kennen, was zur Trennung zwischen Elisa von Ahlefeldt und ihm führte.
Karl Leberecht Immermann (*1796 Magdeburg – †1840) war von 1819 bis 1824 als Auditeur (Rechtsberater) am Militärgericht in Münster beschäftigt. er wohnte zuerst am Prinzipalmarkt 31 bei einem Kaufmann Wolff:
»Unter Dach und Fach bin ich. Ich wohne in der besten Gegend der Stadt, am Prinzipalmarkt, beim Kaufmann Wolff, habe gegenüber das Speisehaus und nebenan ein Weinhaus […] und damit das Auge auf was Hübschem ruhe, befinden sich zwei wirklich allerliebste Mädchen im Hause […].«
Im August 1820 zog er dann in die Liebfrauenlaischaft 33 (heute Krummer Timpen 23) zum Kaufmann Joseph Hölscher:
»Ich bekomme ein ganz allerliebstes Quartier, bestehend aus einer Stube, zwei Kabinetts und einer Bedientenstube mit sehr eleganten Meubles.«
Seit Dezember 1821 wohnte er dann am Alten Fischmarkt 6:
»Ich bin ganz häuslich eingerichtet, esse mittags und abends mit meinen Hausgenossen sehr wohlfeil in der eigenen Kneipe. Lese alle Novitäten, die erscheinen in dem angenehmerweise in meinem Haus mitbefindlichen Wundermannschen Komtoir [Verlag Wundermann, später Schulz und Wundermann in Hamm].«
Im Anschluß an seine Münsterer Zeit wurde Immermann Kriminalrichter in Magdeburg. 1826 folgte die Ernennung zum Landgerichtsrat und später zum Legationsrat in Düsseldorf. Auf einer Reise nach Sachsen machte er 1831 die Bekanntschaft des alkoholkranken Christian Dietrich Grabbe (s. Detmold), der 1834 nach Düsseldorf zog und dort von Immermann mit Arbeitsaufträgen unterstützt wurde.
Zu Immermanns literarischem Bekanntenkreis zählen unter anderem Friedrich de La Motte-Fouqué, Ludwig Tieck, Heinrich Heine, Adelbert von Chamisso, Joseph von Eichendorff und Karl Gutzkow. Ins literarische Rampenlicht trat Immermann zunächst 1832 in Düsseldorf als Vorleser dramatischer Werke. Er veranstaltete eine Totenfeier für Goethe und inszenierte dabei den Clavigo. Bald darauf gründete er einen provisorischen Theaterverein unter der Schirmherrschaft des Prinzen Friedrich von Preußen. 1834 kam es unter der Intendanz Immermanns zur Neugründung der Düsseldorfer Bühne, die allerdings 1837 wegen mangelnden Publikumsinteresses geschlossen wurde. Zu dieser Zeit lernte Immermann Ferdinand Freiligrath (s. Detmold, Soest u.ö.) kennen, der nach Immermanns Tod 1842 Karl Immermann. Blätter der Erinnerung an ihn herausgab.
Der Münsterer Aufenthalt war, rückblickend betrachtet, für Immermann eine produktive Zeit. In sie fällt die Niederschrift des Trauerspiels Das Thal von Ronceval, die Veröffentlichung erster Gedichte in dem von Rückert und Fouqué herausgegebenen Frauentaschenbuch und die Mitarbeit an verschiedenen Zeitschriften. Er arbeitete an weiteren Trauerspielen (Edwin; Petrarca), dem Lustspiel Die Prinzen von Syracus, Gedichten und dem Roman Die Papierfenster eines Eremiten (hier beschreibt er beiläufig auch Friedrich Leopold von Stolbergs Wohnstätte Haus Lütkenbeck). Es entstanden Pläne zu dem Roman Die Epigonen sowie die Abhandlung Brief an einen Freund über die falschen Wanderjahre Wilhelm Meisters und ihre Beilagen. Im genannten Lustspiel Die Prinzen von Syracus (1822) karikierte er die fade Schöngeistigkeit der münsterischen Teegesellschaften.
Der Sauerländer Friedrich Wilhelm Grimme (s. Olsberg-Assinghausen, Brilon, Paderborn) fand während seines Theologiestudiums in Münster (1847-1852) Eingang in den Zirkel von Christoph Bernhard Schlüter (s. Warendorf), in dem er seine Gedichte und Liedkompositionen vortrug. Dort brachte er auch die Elegien Joseph Papes (s. Eslohe) zum Vortrag. Das Andenken an die offensichtlich genossene Studienzeit und seine Studierstube, die ihm zum Dichten und Studieren wie geschaffen schien – mit dem schönen Blick auf mehrere Gärten, den Exerzierplatz, das königliche Schloß und die Promenade – mögen mit dazu beigetragen haben, daß Grimme im Alter nach Münster zurückkehrte.
Levin Schücking genoss in Münster noch immer den Ruf einer literarischen Autorität, als Peter Hille (s. Nieheim-Erwitzen u.ö.) und die Brüder Hart (s. Tecklenburg) am Paulinum gemeinsam auf der Schulbank saßen. Die Brüder Hart (Heinrich Hart 1855-1906, Julius Hart 1859-1930) schrieben später in Berlin Literaturgeschichte, als sie mit ihren Kritischen Waffengängen den Anstoß zur naturalistischen Bewegung gaben. Schon in Münster hatten sie eine Schülerzeitschrift, Herz und Geist, gegründet, an der auch Peter Hille mitarbeitete. Kaum der Schule entronnen, riefen sie den Westfälischen Verein für Literatur ins Leben, von dessen Vierteljahresschrift Deutsche Dichtung allerdings nur drei Hefte erschienen. Dokument der Freundschaft mit Peter Hille ist Heinrich Harts Peter-Hille-Buch, das 1904 erschien.
In der biographischen Reminiszenz Wir Westfalen hat Heinrich Hart seine Erinnerungen an die Jugendzeit in Münster niedergeschrieben. Dort nennt er auch die Beweggründe für seinen Wegzug nach Berlin:
»Unter solchen Umständen war es kein Wunder, daß mit der Zeit der Schauplatz Münster sich für unser Wollen und Trachten zu eng erwies. Wir sehnten uns nach freieren und größeren Verhältnissen, die neue Reichshauptstadt wirkte schon lange wie ein Magnet auf uns.«
Ferner heißt es – im Anschluss an eine Schilderung der westfälischen Heidelandschaft und Erinnerungen an Wanderungen nach Angelmodde, Rüschhaus und Sassenberg:
»Das alte Münster und das neue Berlin. Die räumliche Entfernung überwindet man heute mit einer Eisenbahnfahrt von acht Stunden. Die geistige zu durchmessen, dazu war noch vor einigen Jahrzehnten eine Weltreise nötig, die durch Jahrhunderte geistiger Entwicklung, über strombreite Trennungen im Kulturempfinden, über kaum überbrückbare Gegensätze der Weltanschauung hinwegführt.«
In seinem Schauspiel Der Sumpf (1886) hat Julius Hart Münster ein nicht eben freundliches Abschiedsgeschenk hinterlassen.
Zur Generation Hilles und der Harts zählt auch August Stramm (1874-1915), Lyriker und Dramatiker des Frühexpressionismus. Er verbrachte nur seine frühen Kinderjahre in seinem Geburtsort Münster und ging anschließend auf das Gymnasium in Eupen und Aachen. Gegen seinen Willen musste er die Laufbahn eines Postbeamten ergreifen. Kurz vor dem ersten Weltkrieg wurde er ins Reichspostministerium nach Berlin berufen. Erst dort wurde er literarisch aktiv und machte mit Gedichten in der Zeitschrift Der Sturm auch im Ausland auf sich aufmerksam.
Stramms Lyrik, mit der er die gewohnten Sprachkonventionen aufbricht, trug ihm Titel wie Goethe des Expressionisten, Ahnherr der Konkreten Poesie oder auch Stammvater der lyrischen Sprachexperimente ein. Er fiel 1915 in Rußland.
»August Stramm hat eine großartige Leidenschaft des Empfindens besessen. Die Sprache war ihm nicht Form oder Gefäß, in dem Gedanken kredenzt werden […], sondern Material, aus dem er Feuer schlug.« (Franz Marc)
Auch Peter Paul Althaus (1892-1965) oder PPA wie seine Freunde ihn nannten, den Mann mit dem hintergründigen Traumstadtlächeln, hielt es nicht in Münster. 30jährig blieb er in München hängen. Es sollte nur ein kurzer Besuch in Schwabing werden, wurde aber – unterbrochen von Auslandsreisen und Gastspielen bei verschiedenen Rundfunksendern – ein lebenslanger.
Althaus' Lebenslauf ist der eines Lebenskünstlers: »Ich war nacheinander (zuweilen miteinander) Säugling, Kind, Schüler, Gymnasiast, Apothekereleve, Soldat, stud. phil., Pressereferent, Schmierenschauspieler, Herausgeber zweier Zeitschriften, Theaterdramaturg, Übersetzer, freier Schriftsteller, Kabarettist, Rundfunkautor, Ehemann, Rundfunkdramaturg, Soldat, Lektor, freier Schriftsteller.«
In seine Münsterer Zeit fällt davon zum Beispiel das Studium der Philosophie, Literatur, Kunst- und Musikgeschichte, zum Beispiel auch die Gründung des Verlages Der weiße Raabe und der Zeitschrift Das Reagenzglas (später: Der Send. Eine Monatsschrift für die spanischen Dörfer). Ansonsten ist Althaus' literarisches Schaffen vor 1950 so gut wie unerforscht. Vieles, das meiste, auch aus den späteren Jahren, ging verloren. Immerhin veröffentlichte er einschließlich der Übersetzungen (unter anderem aus dem Sanskrit und Praskrit) 36 selbständige Titel, darunter sechs Gedichtbände, die allesamt den Eindruck erwecken, als seien sie eher zufällig entstanden. Verloren sind dagegen ungezählte Hörspiele und ›Bunte Abende‹, die er für den Rundfunk moderierte. Dabei brachte er es bis zum Chefdramaturgen beim Deutschlandsender in Berlin. 1941 wurde er als politisch untragbar entlassen.
In München verkehrte PPA in Kabarettkreisen und der literarischen Bohème, war eine ihrer schillerndsten Figuren. Münchens ehemaliger Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel nannte ihn die Inkarnation und zugleich höchste Autorität Schwabings und damit eine Münchener Institution. Eine Vielzahl von Anekdoten ist noch heute über ihn im Umlauf. »Er starb buchstäblich in seiner Matratzengruft, ergreifend schwach und gebrechlich – 117 Treppenstufen über dem allzeit lauten Boulevard Leopold.« (Karl Ude)
Althaus ist ein witzig-satirischer, absurder, formgewandter, phantasiesprühender, zuweilen zynischer Sprachjongleur, der seine literarischen Väter, Morgenstern und Ringelnatz, nicht verleugnet. Er gründete in München nicht nur eigene Kabaretts (unter anderem Der Zwiebelfisch), sondern gleich eine eigene Traumstadt, deren Erster Bürgermeister er war.
Althaus hat seine Geburtsstadt, die 1983 den Althausweg nach ihm benannte, nicht vergessen:
»Je älter ich werde, desto öfter und stärker steht meine Geburts- und Heimatstadt Münster vor mir. Hier habe ich das Bild und die Ahnung des Begriffes Schönheit empfangen. Aber das kam mir erst später zum Bewußtsein. Was ich in Münster empfing, erlebte ich in Münchens üppigem Barock wieder. Nie aber werde ich vergessen, daß die Quellen dieses Erlebens in meiner westfälischen Heimat flossen.«
Hermann Löns (1866-1914), in Kulm/Westpreußen als Sohn westfälischer Eltern geboren, verbrachte von 1884 bis 1891 einige Gymnasiasten- und Studienjahre am Münsterer Paulinum, an dem sein Vater zeitweilig Lehrer war. Diese Jahre blieben nicht ohne Wirkung auf den Pennäler. Es prägten ihn dort der von den Brüdern Hart initiierte Literarische Klub, der Kreis örtlicher Naturforscher und Wissenschaftler um Professor Hermann Landois sowie die Zoologische Sektion des Westfälischen Provinzialvereins für Wissenschaft und Kunst. Seine Eindrücke von Münster fanden in verschiedenen Gedichten Widerhall, so in Schloßgarten, Maiandacht, Frühling im Dom, Pleistermühle und der Skizze Die Münsterische Luft. Von Löns' Aufenthalt in Münster zeugt heute nur noch seine Schneckensammlung im Landesmuseum für Naturkunde.
Ein Mundartartdichter alter Schule war der in Münster geborene und verstorbene Ferdinand Zumbrock (1816-1890). 1852 Mitbegründer des Münsterischen Anzeigers, »schrieb er Schwänke und Döhnkes über das dörfliche Volksleben, zum Teil auch mit erhobenem Zeigefinger; aber er füllt sie mit der behaglichen Wirklichkeit des Münsteraner Bürgeralltags.« (Renate von Heydebrand)
»Sie handeln von Münsterischen Haustöchtern und Kindermädchen, von Unteroffizieren und dummen Bauern, von der Unterhaltung in Teegesellschaften, Kaffeehäusern und Bierwirtschaften.« (Albert Haas-Tenckhoff)
Hermann Landois (1835-1905), ein Stadtoriginal, »die volkstümlichste Gestalt, die jemals in Münsters Mauern gelebt hat« (Haas-Tenckhoff), Theologe, Naturforscher, 1873 Lehrstuhlinhaber an der Münsterischen Akademie, 1875 Gründer des Zoologischen Gartens, Mittelpunkt der Zoologischen Abendgesellschaft, schrieb neben wissenschaftlichen Abhandlungen auch Erzählungen und Bühnenstücke in westfälischer Mundart. Bekannt wurde er durch den vierbändigen Roman um das Münsterer Original Franz Essink im Münsterischen Dialekt. 1890 veröffentlichte er eine Studie über Annette von Droste-Hülshoff als Naturforscherin.
»Was Landois nicht gefiel, griff er mit unverfrorener Frechheit an, wenn keine persönliche Gefahr dabei drohte; geistiger Kommunist im höchsten Grade, nahm er alle Verdienste, die seine Mitarbeiter erworben hatten, für sich in Anspruch.« (H. Schönhoff)
Einer der ›Possendichter‹ der Zoologischen Abendgesellschaft war Eli Marcus, 1854 in Münster geboren und dort als Kaufmann tätig.
In Münster geboren und verstorben ist der Münsterer Mundartdichter Franz Mehring (1894-1952). »In der Nachfolge von Landois und mit echter dramatischer Begabung ausgestattet, bemühte er sich um die bodenverwurzelte Posse und entwickelte sich dabei zu einem literarisch belangvollen Bühnen- und Hörspielautor« (Renate von Heydebrand). Mehring war Träger des Karl-Wagenfeld-Preises der Stadt Soest.
Clara Ratzka, geb. Ernst (s. Hamm) kam im Alter von vier Jahren nach Münster. Sie lebte zunächst am Bispinghof, bis ihr Vater, 7 Jahre später, das Haus Schützenstraße 13 erwarb. Nach dem Besuch der Domschule ging sie drei Jahre lang auf die Schöninghsche Töchterschule (spätere Annette von Droste-Hülshoff-Schule in der Grünen Gasse): » Ich habe niemals den Blick von einer hochgelegenen Klassse über die alten Häusergiebel vergessen, aus denen die vielen köstlichen Türme aufragten.«
Auch später war Clara Ratzka oft in Münster zu Gast. Ihre enge Beziehung zu dieser Stadt zeigt ein Brief an Bruno Haas-Tenckhoff von 1926: »Mein Mann behauptet immer, erst einmal wäre ich Westfale, dann Münsteraner und dann Deutscher. Tatsächlich ist es so, daß ich eine ganz besondere Heimatliebe habe, die mir nichts und niemand nehmen kann. Und wenn ich sterbe, dann will ich in Münster begraben sein.«
Im Jahre 1990 verstarb in Münster der Verfasser formstrenger geistlicher Oden und Hymnen, Gottfried Hasenkamp (*1902 Bremen), langjähriger Vorsitzender und Ehrenvorsitzender der Droste-Gesellschaft. Sein formstrenges Werk stellte sich bewußt in den Dienst des katholischen Kultus.
Hinweise: In Münster geboren und verstorben ist Johannes Veghe (*um 1432 – †1504), ein bedeutender Humanist und Mystiker, der niederdeutsche Predigten, geistliche Traktate und Lieder schrieb.
Zu den bedeutenden Münsterer Humanisten zählt außerdem der Stadtarzt Bernhard Rottendorf (1594-1671). »In seinen neulateinischen Dichtungen zeigt er sich nicht nur als Gelehrter, der das klassische Latein, die Regeln der antiken Rhetorik und das Repertoire der literarischen Formensprache griechischer und römischer Autoren perfekt beherrscht, sondern auch als Poet mit schöpferischem Impetus.« (Helmut Lahrkamp)
Zu nennen ist in diesem Zusammenhang ferner der Münstersche Kanonikus Rudolph von Langen (*ca. 1438 in Everswinkel – †1519 Münster). Das Studium und seine Lehrtätigkeit in Erfurt und Basel förderten seine humanistischen Neigungen, die er als Mitglied des Münsterer Domkapitels während eines längeren Aufenthalts (1466) in offizieller Mission in Rom vertiefte. Durch seine Vermittlung wurde an der schola Paulina 1512 Griechisch als Unterrichtsfach eingeführt. Langen verfasste mehrere kleine Prosaschriften, eine Geschichte Jerusalems und eine Anzahl lateinischer Dichtungen und carmina, von denen 59 zwischen 1475 und 1486 gedruckt wurden.
1819 war Luise Hensel (s. Paderborn, Rheda-Wiedenbrück) durch Vermittlung Clemens Brentanos Gesellschafterin bei der Fürstin Salm-Reifferscheidt-Krautheim, einer Tochter der Fürstin Gallitzin. Bernard Overberg war damals ihr Seelenführer. Im Jahre 1824 hielt sie sich zur Vorbereitung auf ihren Eintritt bei den ›Barmherzigen Schwestern‹ (dieser kam jedoch nicht zustande) einige Zeit in Münster auf. In den Jahren 1838, 1851 (Umgang mit Christoph Bernhard Schlüter) und weitere Male war sie für kurze Zeit Gast der Stadt.
Heinrich Heine (s. Paderborn, Unna u.ö.) besuchte im Oktober 1843 zweimal Münster; auf der Hinreise zu seiner Mutter nach Hamburg traf er sich mit Friedrich Steinmann, auf der Rückreise mit seinem Studienfreund Christian Sethe.
Eine Reihe längst vergessener Schriftstellerinnen, zumeist aus dem trivialen Spektrum, sei hier nur namentlich erwähnt: Marie Baumann (*1833 Münster – †1865 Koblenz; Pseudonym: Marie Brockmann); Therese Dahn geb. von Droste-Hülshoff (*1845 Münster – †1929 Brilon); Ida Hellinghaus (*1856 Drolshagen –†1930 Münster; Pseudonym: H. Lingus); Anna Katharina Friederike Heymann geb. Berghaus (*1784 Xanten – †1853 Münster); Marie Hobe geb. Guttzeit (*1845 Münster – †1918 Tucheim/Magdeburg; Pseudonym: Kerimée Hanoum); Katharina Kleebeck (*1856 – †1939 Münster); Theodora Korte (*1872 Haus Nienhaus bei Aschendorf/Ems – †1926 Münster; Pseudonym: Theo von Nienhaus); Margarete Schlichter (*1855 – †1943 Münster).
Literarische Stätten: Heute ist von der literarischen Vergangenheit Münsters nur wenig zu spüren. An Annette von Droste-Hülshoff erinnert eine Droste-Büste auf der Kreuzschanze und ein Droste-Zimmer im neuen Stadtmuseum. Die Familie von Droste-Hülshoff verfügte bis 1818 in Münster über ein Stadthaus (am Krummen Timpen 59, Ecke Bäckergasse, im ehemaligen Gravenhorster später Droste-Hülshoffschen Hof), das sie insbesondere in den Wintermonaten bewohnte, fortan nur noch über eine Stadtwohnung (am Alten Steinweg 16 im heute abgerissenen Haus des Präfecturrates Hermann Ignatz von Hamm). Auf Schloß Wilkinghege (Steinfurter Straße 74, heute Hotel-Restaurant), dem ehemaligen Pachtgut ihres Bruders Werner, hat die Droste oft geweilt. Seit 1827 bewohnte sie bei ihren Aufenthalten in Münster eine Wohnung beim Schneider Engelbert Ahlers auf der Salzstraße 57. Münster ist Sitz der Droste-Gesellschaft (Sammlung und Dokumentationsstelle, Haus, Münster-Nienberge)
Eine Gedenktafel für Amalia von Gallitzin ist am Ort ihres ehemaligen Wohnsitzes angebracht, heute Annette-von-Droste-Hülshoff-Schule, Grüne Gasse mit der Inschrift: Dieses Haus, Sammelpunkt der ›familia sacra‹, sank am 10. Oktober 1943 in Trümmer. A.D. 1959; Tagebuchhefte der Fürstin Gallitzin befinden sich im Franziskaner-Kloster in Münster; eine Gallitzin-Sammlung in der Universitätsbibliothek Münster.
In Peter Paul Althaus' Geburtshaus in der Bogenstraße 7 war damals die Eisenwarengroßhandlung seiner Eltern untergebracht. 1915 verlegte sein Vater Geschäft und Wohnung an die Clemensstraße 36. Nach dessen Tod wechselte die Familie zur Engelsstraße 36.
In Münster war Althaus war Kopf und Herz eines Freundeskreises, der die Literatur und die Kunst zu ihrem Wegweiser machte, dazu gehörten Karl Wagenfeld, Hans Roselieb, »Hippe« Beisenkötter, Pit Franke, dessen Bruder Türk, Natz Bietendüwel, der später langjährige Leiter der Niederdeutschen Bühne Münster, Wilm Böckenholt, Toni Mondorf, Ede Bufé, die Musiker Wilhelm Schlichting, Ernst Brüggemann und Kuno Stierlin, der angehende Sänger Pinkus Müller. Auch Heinrich Luhmann und Friedrich Castelle standen dem Kreis nahe.
Jobst A. Kissenkötter weiß weiter zu berichten: »Neben den Abenden in der gemütlichen ›Bude‹ von Althaus auf dem Verspoel, mitten in der münsterischen Altstadt, später in den ›Verlagsräumen‹ ›Der weiße Rabe‹ auf der Südstraße 18, in der ›Musikalischen Ecke‹ des Altbierhauses Müller oder in der Wohnung des Musikverlegers und Komponisten Wilhelm Schlichting an der Langenstraße war das idyllische Dörfchen Gimbte an der Ems, nahe Münster, das Ziel besonders bei Wochenendfahrten des Althaus-Kreises. Unter dem stolzen Namen ›Gimbte le bain‹ wurde es zum Badeort erhoben. Man badete in der Ems, spielte in der Kirche Orgel, saß mit den Bauern am Herdfeuer und improvisierte hoch- und plattdeutsches musikalisches Theater unter der Leitung von Althaus. Kuno Stierlin dirigierte, Ede Bufé spielte Klavier, Althaus sang und strich die Geige! Höhepunkt war eine ›Lohengrin‹-Aufführung in münsterländischem Platt. Für einen Sommer wurde das stille Dorf Gimbte zu einer Art Künstlerkolonie.«
Mathilde Franziska Anneke, damals noch von Tabouillot, wohnte in den Jahren 1839 bis 1847 auf der Neubrückenstraße 7 (das Haus ist heute abgerissen), später auf der Hollenbecker Straße 28/29.
Friedrich Castelle (s. Münster-Appelhülsen) ist auf dem St. Mauritz-Friedhof begraben.
Friedrich Wilhelm Grimmes Wohnhaus während seiner Studentenzeit war Am Krummen Timpen; sein Sterbehaus Grevener-Straße 3 (Gedenktafel); sein Grab befindet sich auf dem Zentralfriedhof.
Das Grab Georg Hamanns liegt auf dem Überwasserfriedhof (Wilhelmstraße). Dorthin wurde er 1851 umgebettet, nachdem er zunächst im Garten der Fürstin Gallitzin bestattet worden war; Tagebuchhefte Hamanns werden im Franziskaner-Kloster Münster aufbewahrt; ein Teil-Nachlass in der Universitätsbibliothek Münster.
Das Wohnhaus Gottfried Hasenkamps war in der Manfredstraße 24; eine Sammlung seiner Werke enthält die Bibliothek der Droste-Gesellschaft, Haus Rüschhaus.
Hedwig Kiesekamp (s. Castrop-Rauxel-Henrichenburg) lebte als Ehefrau des Komerzienrates und Dampfmühlenbesitzers Kiesekamp in Münster auf der Hüffer-Straße 1. Das Haus beherbergt heute das Mineralogische Museum.
Hermann Landois' Geburtshaus befand sich auf der Rothenburg 33 (Gedenktafel); er liegt auf dem Zentralfriedhof begraben; sein Denkmal wurde in den neuen Zoo umgesetzt; eine Landois-Sammlung ist im Bestand der Universitätsbibliothek Münster.
Christoph Bernhard Schlüters Haus stand Am Alten Fischmarkt, später am Alten Steinweg 11. Es ist heute abgerissen; sein Grab ist auf dem Hörster Friedhof.
Die Wohnung Anton Mathias Sprickmanns lag gegenüber der frühen Stadtwohnung der Familie von Droste-Hülshoff am Krummen Timpen. Das Haus existiert heute nicht mehr.
Der Nachlass von August Stramm liegt in der Universitätsbibliothek Münster.
Das literarische Kränzchen der Elise Rüdiger traf sich in ihrer Wohnung an der Rothenburg 28/29 (heute Standort des Archäologiemuseums).
Luise von Bornstedt (s. Bad Oeynhausen) wohnte zunächst in einem Gasthof an der Aegidiistraße, dann im Eckhaus Salzstraße/Prinzipalmarkt.
Karl Wagenfeld (s. Drensteinfurt) kam 1901 als Lehrer nach Münster und wohnte zuletzt in der Görres-Straße 1. Er ist, wie auch Ferdinand Zumbroock, auf dem Zentralfriedhof begraben.
Augustin Wibbelt (s. Ahlen-Vorhelm) lebte bereits 1883 als Student zwei Semester lang in Münster, dann wieder von 1890 bis 1897 als Kaplan und Redakteur des Ludgerus-Blatts. Heute hat die Augustin-Wibbelt-Gesellschaft ihre Geschäftsstelle in Münster.
In der Universitätsbibliothek Münster befinden sich neben dem Sammelschwerpunkt ›Westfalica‹ und ›Niederländische Literatur‹ einige bedeutende Nachlässe westfälischer Autoren. – Umfangreiche Westfalica-Sammlungen befinden sich auch in der Bibliothek des Westfälischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte und in der Stadtbücherei im Krameramtshaus.
Beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe ist die LWL-Kommission für Literatur angesiedelt und er vergibt zudem alle drei Jahre, jedes dritte Mal als Musikpreis, den Annette von Droste-Hülshoff-Preis (Westfälischen Literaturpreis). Außerdem ist in Münster die Gesellschaft für Literatur in NRW ansässig, die mit Hilfe des Kultusministeriums das literarische Leben in Westfalen fördert.
Schauplatz: In Münster spielen Illa Andreaes (*1892 – †1992 Münster-Wolbeck) Das Geheimnis der Unruhe. Geschichte eines westfälischen Geschlechts (Roman, München 1947) und Wo aber Gefahr ist (Roman, Heidelberg 1951), Ludwig Bätes Der [westfälische] Friede (Roman, Berlin 1934), Wolfgang Brockpählers Habichtshöhe. Charakterbilder aus der westphälischen Provinz nach alten Aufzeichnungen des Münsteraner Studenten Wilfried Verspohl (historische Darstellung, Warendorf 1984), Friedrich Butz' Ein Dorf wacht auf (Roman, Leipzig 1935), Friedrich Castelles Das Haus in der Dreizehnmännergasse (Hannover 1919), Adam Joseph Cüppers Im Banne der Wiedertäufer (Roman, Köln 1897), Hans Francks Reise in die Ewigkeit (Hamann-Roman, Berlin 1934), Hans Freimarks Johann van Leiden (Wiedertäuferroman, Berlin 1919), Martin Funcks Fahrt durchs Land um Liebe und Gott (Roman, Berlin 1933), Georg von Gabelentz' Masken des Satans (Roman, Leipzig 1925), Philipp Galens [Philipp Langes] Fritz Stiling. Erinnerungen aus dem Leben eines Arztes (Roman, Leipzig 1854), Adolf Glasers Cordula (Roman aus dem 16. Jahrhundert, Leipzig 1885), Rudolf Herzogs Horridoh Lützow! (Roman eines Freischärlers, Leipzig 1932), Karla Höckers Mehr als ein Leben (Roman, Gütersloh 1953), Franz Herwigs Der große Bischof (Ketteler-Roman, München 1933), Hermann Homanns Drei Käfige am Turm. Aufstieg und Fall des Wiedertäuferreiches in Münster 1534/35 (Münster 1977), mehrere Kriminalromane Jürgen Kehrers, Katharina Kleebecks Die Heidehexe (Fortsetzungsroman, Münster 1924), Bernhard Kösters Im Feuer der Kartauen (Roman um den westfälischen Frieden, Münster 1932), Anna von Kranes Die Verfemten (Roman aus der Wiedertäuferzeit, Köln 1935), Curt Hohoffs Hochwasser (Erzählung, München 1948), Ludwig Hunas Der Kampf um Gott (Wiedertäuferroman, Leipzig 1923), Joseph von Lauffs Die Seherin von der Getter. Roman aus der münsterischen Heide (Roman, Berlin 1923) und Elisabeth Wandscherer, die Königin. Ein Scherenschnitt aus der Zeit der Wiedertäufer (Roman, Leipzig 1931), Mary Lavater-Slomans Der Schweizerkönig (Roman um den westfälischen Frieden, Zürich 1934), Frieda von Oppelns Die klugen und die törichten Jungfrauen (Immermann-Roman, Berlin 1928), Hermann Paulus' Die tönernen Füße (Roman, Bonn 1953), Elisabeth van Randenborghs Gebeugt zu deiner Spur (Gallitzin-Roman, Hamburg 1956), Episoden aus Clara Ratzas Blaue Adria (Roman, 1916), Familie Brake (Roman, Berlin 1919) und Im Zeichen der Jungfrauen (Roman, 1928) sowie Hans Roseliebs völkischer Roman Der Erbe (München 1920). Aus dem reichen Romanwerk Levin Schückings sind zu nennen: Die Ritterbürtigen (Leipzig 1946), Ein Sohn des Volkes (Leipzig 1949), Das Kapital (Berlin 1875), Das Recht der Lebenden (3 Bde. Leipzig 1880), Eine dunkle That (Leipzig 1846); ferner Gottfried Schäfers populäre Stadtviertelgeschichten, Hans Dieter Schwarzes Geh' aus mein Herz (Erinnerungen, Münster 1990) und seine Münster-Sonette in Kurz vor dem Finale. Hrsg. von Jürgen P. Wallmann (Münster 1986), Gisela Schwarzes Minke, Minke. Eine literarische Dokumentation 1939-1949 (autobiographische Aufzeichnungen, Sigmaringen 1988), Heinrich Schottes Mein blaues Tor (Roman, München 1930), W. Burkhard Spinnens Die Münstermacher. Eine Szene (preisgekrönte Satire, Münster 1986), Hermann Stehrs Meister Cajetan (Novelle, Leipzig 1931), Hugo Strauchs Die tolle Stadt (Roman, Münster 1926), Hubert Südekums Der Schelmenbaron (Romberg-Roman, Warendorf 1927), Jodokus Temmes Aus grauer Heide (Kriminalroman, Berlin 1875), Paulheinz Wantzens Professor de Iselmott (Schelmenbuch, Warendorf 1926), Margarete Windthorsts Das lebendige Herz. Aufzeichnungen von Tau und Tag von Hyacinth Henricus Holm (Hamm 1952), Anna Charlotte Wutzkys Das war eine köstliche Zeit (Lortzing-Roman, Leipzig 1936) sowie viele weitere Behandlungen des Wiedertäufer-Stoffes, Münstererzählungen, -skizzen und -beschreibungen (Sammlung in Stadtbibliothek Münster).