Hier in Assinghausen, heute Ortsteil von Olsberg, hat sich wenig verändert. Die alte Schule, nördlich der Kirche und gegenüber dem Pfarrhaus, sieht noch genauso aus wie zu der Zeit, als Friedrich Wilhelm Grimme (1827-1887) hier geboren wurde. Grimme, der »Dichter des Sauerlandes«, war ein Klassiker des plattdeutschen Schwanks. Er hat jedoch auch in Hochdeutsch geschrieben, etwa seine Kindheitserinnerungen Memoiren eines Dorfjungen (1864) und den Band Das Sauerland und seine Bewohner (1866), mit dem er dem Sauerland ein literarisches Denkmal setzte.
Ein Zeugnis Ferdinand Freiligraths (s. Soest, Detmold, Leopoldshöhe) aus dem Jahre 1874 beschreibt ihn als trefflichen Humoristen:
»Welch' gemütlich lustige Sorte (jetzt, fürcht' ich, unter Bismarck's Eisentritt auch wohl bald das Zeitliche segnend), sind doch z.B. diese geistlichen Saufause, diese katholischen Dorfpfaffen des Sauerlandes, wo einer dem andern die Tauftaler aus der Hosentasche stiehlt, und damit der Köchin den Wein bezahlt, den sie, ohne die List des Schlaumeiers zu ahnen, aus dem Keller des Bestohlenen (der unterdessen schon ruhig schnarcht), zu später Stunde noch heraufholen muß […].«
»Grimme hat trefflich im Volke herumgelauscht, seine Bilder haben die Treue von Photographien. In den kleinen, mehr anekdotenartigen Geschichten, die er uns gegeben hat, ist er Reuter in der Tat ebenbürtig – es fragt sich nur, ob seine Begabung auch für größere Schöpfungen ausreicht. Ich möchte daran zweifeln, doch soll mein Zweifel keinen Tadel aussprechen. Jeder gibt, was er hat und geben kann, und ist das etwas Gutes, so sollen wir ihm dankbar und mit dem Gegebenen zufrieden sein. Ein Humor, wie Grimme ihn besitzt, ist etwas Herrliches und Kostbares! Möge er uns noch oftmal und lange damit erfreuen!«
Grimme war ein Meister biedermeierlicher Stilformen, mit ausgeprägtem Sinn für das Einfache, für das unscheinbare Detail. Sein Debüt als Lyriker brachte ihm die Anerkennung von Joseph von Eichendorff, Robert Prutz und Wolfgang Menzel. Ein weites Echo erreichte er jedoch erst mit seinen sauerländischen Dialektdichtungen. Erst 1987, anläßlich seines 150. Geburtstages, erschien eine Ausgabe seiner Werke.
Literarische Stätte: Grimme-Gedächtniszimmer in der Schule; Grimme-Haus mit Gedenktafel in der Grimmestraße, nahe der Kirche; Grimme-Denkmal in der Dorfmitte.


