Zum Kreis um Julius Meyer, den Schwiegersohn Fürst Tenges (s. Leopoldshöhe-Barkhausen), zählte auch der Herausgeber des Westphälischen Dampfbootes, Dr. Otto Lüning (1818-1868) (s. Leopoldshöhe-Barkhausen, Gütersloh). Als Pastorensohn 1818 in Gütersloh geboren, hatte er sich nach dem Medizinstudium 1839 als Arzt in Rheda niedergelassen. Aus seiner Feder stammt eine Reihe politischer Gedichte, die wegen der scharfen Zensurbestimmungen nur in der Schweiz erscheinen konnten. Unter anderem von Julius Meyer unterstützt, gründete er die demokratische Zeitschrift Das Weser-Dampfboot (1844) bzw. Das Westphälische Dampfboot (1845-48). Sie war das Sprachrohr des Rhedaer Kreises, der für liberale Programme wie etwa die Forderung nach gleicher Volksbildung eintrat. Zu den Kontaktpersonen des Dampfbootes gehörten der Bielefelder Fabrikant Rudolf Rempel sowie Wilhelm Weitling, Ferdinand Freiligrath (s. Detmold, Soest u.ö.), Hoffmann von Fallersleben (s. Höxter-Corvey u.ö.), Robert Blum, Friedrich Engels, Karl Marx, Karl Grün (s. Lüdenscheid) und Moses Heß. Das Engagement des Blattes ist vor dem Hintergrund der zunehmenden Verarmung, Massenverelendung und Hungerkrisen im Jahrzehnt vor der 1848er Revolution zu sehen. Damals, im Zeichen der Vorindustrialisierung, erlebte Westfalen eine seiner größten wirtschaftlichen und sozialen Krisen. Vorbild des Dampfbootes war die von Marx geleitete Rheinische Zeitung (1842/43).
Im selben Jahr (1845), in dem Georg Weerth im Deutschen Bürgerbuch seine Sozialreportage »Armut in der Senne« veröffentlichte, erschien im Dampfboot aus der Feder von Otto Lünings Bruder Hermann Lüning (1818-1868) ein Bericht über die Lage der Weber und Spinner im Ravensbergischen. Hier wurde gründlich mit der damals aufkommenden romantischen Stilisierung Westfalens aufgeräumt; anders als im Malerischen und Romantischen Westphalen (s. Leopoldshöhe-Barkhausen) wurden Not und Elend ungeschminkt geschildert. Nach der Aufgabe des Dampfbootes übernahm Otto Lüning die Schriftleitung der Darmstädter Neuen deutschen Zeitung (Organ der linken Fraktion in der Paulskirche). Ende 1850 ging er, wegen Pressevergehens ausgewiesen, in die Schweiz. Sechs Jahre später kehrte er nach Deutschland zurück und wurde noch einmal als Redakteur tätig (bei der Dortmunder Westfälischen Zeitung). Er starb 1872 in Rheda.
Literarische Stätte: Das Archiv des Westfälischen Dampfbootes und weiteres Material befindet sich heute im Familienbesitz von Olga Tenge-Rietberg.
Abgesehen von ihrem Aufenthalt bei der stigmatisierten Nonne Anna Katharina Emmerick in Dülmen – und in diesem Zusammenhang mit ihrer bis heute vieldiskutierten Freundschaft zu Clemens Brentano – ist nur wenig über Luise Hensels (s. Dülmen, Rheda-Widenbrück u.ö.) Beziehung zu Westfalen bekannt. Dies gilt auch für ihren mehr als zwanzigjährigen Aufenthalt in Wiedenbrück. Mir hat das Städtchen, das flache, aber freundliche Umgebungen, und, was viel wichtiger ist, viele fromme, sittliche Einwohner und sehr gute Priester hat, von denen ich schon einige kannte, recht gut gefallen, hielt sie 1823 über ihre erste Begegnung mit der Stadt fest.
Hinweis: In Wiedenbrück verbrachte Jodokus Temme (s. Oelde-Lette) seine Kindheit, vgl. seine Erinnerungen (1883) und seine Erzählung Im Amtshaus zu Sinningen (1876; auch unter dem Titel Mord beim Sandberg, 1981).