Das Gut Ober Leveringhausen (in den autobiographischen Schriften: Lerchenhausen) nahe Blankenstein, war das Geburtshaus Mathilde Franziska Annekes (*Giesler, verh. von Tabouillot), der späteren Frauenrechtlerin und Freiheitskämpferin (s. Münster).
Freiligrath schreibt in einem Brief an Schücking:
»Das muß aber ein Capitalsfrauenzimmer sein, das mein Fieber deklamiert, und eine solche Hand schreibt! […] Das hat nimmer ein Mädchen geschrieben! Sollt' es aber doch wahr sein, so bitt' ich schönstens um Verzeihung, werfe mich mit Grandezza zu Füßen und appliziere der »lilienweißen« Hand den fieberhaftesten Kuß, der je auf eine Hand gedrückt worden ist […].«
In späteren Erinnerungen beschrieb die Autorin ihre Jugend als Idyll und ließ dabei viele Bekenntnisse zu ihrer westfälischen Heimat einfließen. Als Tochter einer Familie der rheinischen Oberschicht hatte sie eine umfassende Bildung genossen. Die heile Jugendwelt zerbrach, als ihr Vater das Familienvermögen verspekulierte und damit die Familie in den Bankrott führte. 1836, 19jährig, ging Mathilde eine sogenannte Konvenienzehe mit dem Weinhändler Alfred von Tabouillot ein, der einer vornehmen Essener Familien entstammte.
Die Ehe nahm einen unglücklichen Verlauf. Im folgenden Jahr trennte sich Mathilde von ihrem Mann und zog nach Wesel und von dort 1839 nach Münster. In dem Scheidungsprozeß, der, mehrfach aufgerollt und von der Presse ausführlich kommentiert, bis 1843 andauerte, wurde ihr zwar in zweiter Instanz eine jährliche Unterstützung von hundert Talern für die Erziehung ihrer Tochter Johanna (Fanny) zugesprochen, in einem Revisionsverfahren jedoch wieder aberkannt, weil sie sich weigerte, in das Haus ihres Ehemannes zurückzukehren. Auf sich allein gestellt, besann sich Mathilde auf ihr literarisches Talent, das sie bereits zuvor als Mitarbeiterin der Kölnischen Zeitung und der Augsburger Allgemeinen Zeitung unter Beweis gestellt hatte. Als Korrespondentin der Elberfelder Zeitung, der Westfälischen Zeitung, des Westfälischen Merkurs, der Düsseldorfer Zeitung, des Morgenblatts für gebildete Stände und der Augsburger Allgemeinen Zeitung blieb sie auch weiterhin publizistisch tätig.
Da die Einkünfte nur spärlich einflossen, wandte sie sich eigenen Projekten zu. In Wesel erschien 1839 ihre religiöse Gedicht- und Gebetssammlung Des Christen freudiger Aufblick zum himmlischen Vater. Gebete und Betrachtungen. Es folgten im Jahr darauf ein Erbauungsbuch für die katholische Frauenwelt und ihr erstes Anthologieprojekt Der Heimathgruß. Eine Pfingstgabe. Wieder ein Jahr später erschien Der Meister ist da und rufet dich! Ein vollständiges Gebet- und Erbauungsbuch für die gebildete christkatholische Frauenwelt. Damit war die Zeit, in der sich die Autorin »unter die Blüten religiöser Poesie« (so Anna Blos) flüchtete, beendet. 1842 erschien, noch immer in Wesel, ihr Damen-Almanach. Nach erzwungener vierjähriger Pause folgten – bei Coppenrath in Münster – die Producte der Rothen Erde, eine Anthologie, die, wie schon der Titel sagt, unter regionalen Gesichtspunkten zusammengestellt worden war.
Nach der Heirat mit dem ›Deutsch-achtundvierziger‹ Fritz Anneke im Jahre 1847 und der Übersiedlung nach Köln begann ein neuer Abschnitt im Leben Mathilde Annekes, ihr demokratisch-frauenrechtlerisches Engagement. Anfang 1847 nahm sie in der Augsburger Allgemeinen Zeitung erstmals zu politischen Ereignissen Stellung. Im selben Jahr erschien ihre Streitschrift Das Weib im Conflict mit den socialen Verhältnissen. Vom 10. bis zum 24. September 1848 gab sie die Neue Kölnische Zeitung heraus, deren Redaktion sie bis zum 20. Mai 1849 innehatte. Nach dem Verbot wurde das Blatt von ihr unter dem Titel Frauen-Zeitung fortgesetzt, jedoch ebenfalls nach drei Nummern verboten. Im Juni 1849 folgte sie ihrem Mann in den Badischen Feldzug, im selben Jahr wanderte sie mit ihm nach Amerika aus, wo sie zu einer zentralen Gestalt der Frauenrechtsbewegung wurde.
Literarische Stätte: Ober Leveringhausen gehört zur Gemeinde Haßlinghausen/Ruhr und zur Stadt Sprockhövel.