Reisende, die in grauer Vorzeit (meist widerwillig) Westfalen durchstreiften, stellten dem Land überwiegend schlechte Zeugnisse aus. Unisono konstatierten sie eine geradezu barbarische Kultur- und Geistesferne. Ein berühmter Westfalenspötter war Voltaire. Sein »Candide« (1759) nimmt seinen Ausgang in Westfalen, genauer gesagt auf dem Schloss des Barons Tundertentronck, das sogar, man höre und staune, Fenster und Türen besessen haben soll. Bei Voltaire lesen wir: »In großen Hütten, die man Häuser nennt, sieht man Tiere, die man Menschen nennt, die auf die herzlichste Weise von der Welt mitten unter den anderen Haustieren wohnen.« Welch tiefer Stich ins treue Westfalenherz! Justus Möser und andere widersprachen aufs Entschiedenste und stimmten ein Loblied auf die unverdorbene bäuerliche Lebensweise an. Die Klagen ziehen sich jedoch durch die Jahrhunderte. Nachsichtiger urteilte Heinrich Heine in »Deutschland. Ein Wintermärchen« (1844): »Ich hab sie immer so liebgehabt, / Die lieben, guten Westfalen, / Ein Volk, so fest, so sicher, so treu, / Ganz ohne Gleißen und Prahlen. / <…> / Sie fechten gut, sie trinken gut, / Und wenn sie die Hand dir reichen, / Zum Freundschaftsbündnis, dann weinen sie; / Sind sentimentale Eichen.«