B wie Bökendorfer Märchenkreis

Wo einst Annette von Droste-Hülshoff und Wilhelm Grimm (1786-1859) Vergissmeinnicht pflückten, erinnert heute ein gutbesuchtes Museum an den sog. Bökendorfer Märchenkreis. Anfang des 19. Jahrhunderts ging im gutsherrlichen Anwesen der freiherrlichen Familie von Haxthausen (in Bökendorf bei Brakel) der bekannteste deutsche Märchensammler Wilhelm Grimm ein und aus. Auch die »Fräulein aus dem Münsterland«, von denen Grimm brieflich spricht (die Droste und ihre Schwester Jenny) waren häufig zugegen. Die Beschäftigung mit Märchen, Sagen und historischem Volksgut war Kult und hatte viel mit nationaler Selbstvergewisserung zu tun. Grimms Kontakt zu den Bökendorfer Freunden kam vor allem beim zweiten Band der »Kinder und Hausmärchen« zum Tragen, der mit 70 Stücken Ende 1814 erschien. 29 Beiträge der Sammlung und der später herausgegebenen »Deutschen Sagen« stammten aus dem Haxthausen-Kreis. Zwischen Grimm und Annette von Droste-Hülshoff ergab sich allerdings kein freundschaftliches Verhältnis. Dies trug mit dazu bei, dass sich die Droste so gut wie gar nicht an den Sammelbestrebungen beteiligte, die sie für antiquiert und kunstlos hielt.