D wie Detmolder Dichter

Es ist fast paradox, wie sehr die westfälische Dichtung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von den Dichtern der kleinen Residenzstadt Detmold repräsentiert wird, die 1806 ganze 311 Häuser und 2.200 Seelen zählte. Zu nennen sind Christian Dietrich Grabbe, Ferdinand Freiligrath, Georg Weerth und Malwida von Meysenbug. Für Heinrich Heine war Grabbe ein »betrunkener Shakespeare«. Alle literarischen Vorzüge des Autors würden »verdunkelt durch eine Geschmacklosigkeit, einen Zynismus und eine Ausgelassenheit, die das Tollste und Abscheulichste überbieten, das je ein Gehirn zu Tage gefördert« habe. Hiermit sind die Gründe benannt, weshalb das dem Trunke verfallene Genie Grabbe zu Lebzeiten kaum erfolgreich war. Das Interesse an seinem Werk erwachte erst Jahrzehnte später. Heute gilt er als größte dramatische Begabung seiner Zeit. Sein Werk wird als bahnbrechend für die Entwicklung der modernen Dramatik angesehen. – Freiligrath und Weerth machten als Dichter der 1848er Revolution von sich reden. Freiligrath war einer der populärsten Dichter des 19. Jahrhunderts. Dieser Ruf fußt auf der exotischen »Wüsten- und Löwenpoesie« seiner ersten Gedichtausgabe (1838) und seiner politischen Lyrik, die 1844 mit »Ein Glaubensbekenntnis« eingeleitet wurde. Der Autor musste mehrere Jahre im Exil verbringen. – Georg Weerth führte ein Leben zwischen Literatur, Politik und  Handel. In seinem Feuilletonroman »Leben und Thaten des berühmten Ritters Schnapphanski« karikiert er den ominösen Aufstieg des preußischen Paulskirchen-Abgeordneten Fürst Lichnowsky, was ihm eine dreimonatige Haft einbrachte. Weerths »Humoristische Skizzen aus dem deutschen Handelsleben« (1847/48) gelten als Musterbeispiele der Sozialsatire. Über seine Zeit als »Feuilletonchef« der später verbotenen »Neuen Rheinischen Zeitung« 1848/49 urteilte Friedrich Engels: »Weerth übernahm das Feuilleton, und ich bezweifle, ob je eine andere Zeitung ein so lustiges und schneidiges Feuilleton hatte.« – Malwida von Meysenbug wurde vor allem mit ihren »Memoiren einer Idealistin« (1869, viele Erweiterungen und Neuauflagen) bekannt. In dieser Autobiographie beschreibt sie unter anderem ihre Jugendjahre in Detmold (»Unsere kleine Residenz im Norden«). Die »Memoiren« machten sie für viele Frauen des 19. Jahrhunderts zu einem Vorbild. Sie bringen Malwida von Meysenbugs persönliches Streben und Ringen um geistige Selbständigkeit zum Ausdruck und weisen einen, wenn auch untypischen, Weg der Emanzipation. Die Autorin war mit Romain Rolland, Friedrich Nietzsche, Richard Wagner und Franz Liszt befreundet.