D wie Dichterstätten

Wer nachforscht, kommt auf etwa 160 bedeutendere literarische Haltepunkte zwischen Rhein und Weser, die auf ihre Art und Weise Literaturgeschichte dokumentieren. Besonders treten die Dichter-Museen hervor. Im Falle von Peter Hille (Nieheim-Erwitzen) oder Friedrich Wilhelm Weber (Alhausen) werden Dichter-Geburtshäuser heute museal »bespielt«. Das Bökerhof-Museum bei Brakel hält die Erinnerung an den Bökendorfer-Märchenkreis um die Geschwister Haxthausen, die Brüder Grimm und Annette von Droste-Hülshoff wach. Überhaupt die Droste: Mit den Adelssitzen, die sie bewohnte, besucht und beschrieben hat, ließ sich ein ganzes Bändchen füllen. Das bekannteste westfälische Dichterdomizil ist zweifellos das Rüschhaus in Münster-Nienberge, langjähriger Wohnsitz der Droste. Die Autorin lebte in diesem halb bäuerlichen, halb herrschaftlichen Anwesen bescheiden, geradezu armselig. »Von meinem hiesigen Leben kann ich Ihnen wenig sagen. Sie sehen einen Tag, damit haben Sie alle gesehn. Ich schreibe, lese, was mir die Güte meiner Freunde zukommen läßt, stricke ein klein, klein wenig (abends) und bin zur Abwechslung mitunter unwohl,« heißt es in einem ihrer Briefe. Ihre Freundin Adele Schopenhauer berichtete über einen Besuch: »Wir leben winterlich, klösterlich still und sacht – man träumt fast, anstatt zu leben… Da ruhe ich denn aus, an der Seite des geistreichsten Wesens, das ich unter Frauen kenne.« Die jüngste westfälische Dichterstätte ist das Ende 2005 in Rheine-Bentlage eröffnete »Joseph Winckler-Haus«. Wie ergiebig die Ausbeute sein kann, wenn man sich »auf Dichters Spuren« begibt, zeigt das Büchlein »10 literarische Radtouren rund um Haus Nottbeck«. Im Umkreis des »Museums für Westfälische Literatur« begegnen die Wohn- und Lebensstätten von Augustin Wibbelt, Levin Schücking, Paul Schallück, Jodocus Donatus Hubertus Temme und anderer Autorinnen und Autoren. Ein Abstecher in den Kreis Gütersloh rückt Luise Hensel und Autoren aus dem Umfeld der 1848er Revolution ins Blickfeld.