Die westfälische Hörspiellandschaft ist bunt und vielfältig. Sie kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Bis zum Beginn der Fernseh-Ära nahm das Hörspiel (mit einem Höhepunkt in den 1950er Jahren) einen dominanten Platz in der sich rasch entwickelnden Medienlandschaft ein. Die Familie hockte oft kollektiv und wie gebannt vor dem Radio, um dem neuen Hörspiel »ihres« Autors zu lauschen. Das galt im Westfälischen beispielsweise für die humoristischen Mundart-Hörspiele eines Anton Aulke. Ein Klassiker des Ruhrgebiets-Hörspiels ist Bruno Gluchowskis »Der Durchbruch«. Die 1964 gesendete Hörspielfassung des Dramas wurde zu einem Orientierungspunkt der »Gruppe 61«. Soziale Hörspiele schrieben Max von der Grün, Frank Göhre und zahlreiche weitere Ruhrgebietsautoren. Einer der produktivsten ist der Gelsenkirchener Michael Klaus. Der WDR förderte das regionale Hörspiel jahrelang durch drei eigene Redaktionen für das Ruhrgebiet, Westfalen und den rheinischen Landesteil. Der westfälische Sendeplatz war jahrelang für das Mundart-Hörspiel reserviert, bevor es sich unter Georg Bühren neue, auch experimentelle Stoffe erschloss. Einen Innovationsschub für das Ruhrgebietshörspiel war die »Blackbox-B1«-Reihe, in der neue Formen des Hörspiels erprobt wurden. Eine besondere Facette bilden O-Ton-Hörspiele, wobei Norbert Johannimloh (für den westfälischen Raum) und Renke Korn zu den Pionieren der Gattung zählen. – Mit insgesamt acht Hörspielen leistete Reinhard Doehl (1934-2004) in den 1960er und 1970er Jahren einen wichtigen Beitrag zur Etablierung des Neuen Hörspiels in Deutschland. Döhl selbst sah sich mit seinen »akustischen Realisationen« in der Traditionslinie der experimentellen Stuttgarter Gruppe um Max Bense, der auch sein literarischer Mentor war. Nicht minder hoch einzuschätzen sind Döhls Verdienste als Rundfunkhistoriker. Er gilt als einer der wichtigsten deutschen Hörspieltheoretiker und Dokumentaristen. Neben zahlreichen Fachaufsätzen verfasste er zwei umfangreiche monografische Abhandlung über das Hörspiel der NS-Zeit und das Neue Hörspiel, die zu den Standardwerken der Hörspielgeschichte zählen. Döhls umfangreichstes Projekt war die Sendereihe »Versuch einer Geschichte und Typologie des Hörspiels in Lektionen«, die die deutsche Hörspielgeschichte der Jahre 1924 bis 1986 aufarbeitet. Allein im Westdeutschen Rundfunk wurden zwischen 1970 und 1986 sechzig Sendungen aus dieser Reihe gesendet. – Ein anderer Aspekt des Themas Hörspiel führt zu Friedrich Wilhelm Hymmen. Er initiierte 1951 die renommierte Stiftung des »Hörspielpreises der Kriegsblinden«. Bis 1995 war Hymmen Organisator und Jury-Vorsitzender dieser Hörspielauszeichnung. Er war weiterhin Mitglied und Vorsitzender verschiedener Hörfunk- und Fernsehjurys.