Wer weiß schon, dass viele Bestseller und Klassiker des deutschen Kinderbuches aus Westfalen stammen? Zum Beispiel Dauerbrenner wie die millionenfach verkauften »Bummi«-Bücher der Sauerländerin Martha Schlinkert oder die »Immenhof«-Saga der Bocholterin Ursula Bruns, die durch die Verfilmung mit Heidi Brühl deutsche Nachkriegsfilmgeschichte schrieb. Verfilmt wurden auch Max von der Grüns »Die Vorstadtkrokodile«, Musterbeispiel für ein soziales Kinderbuch und ebenfalls in Millionenauflage verbreitet. Zahlreiche weitere westfälische Titel schrieben deutsche Kinder- und Jugendbuchgeschichte. Heinrich Maria Denneborg war einer der großen Meister des Handpuppenspiels. Sein »Jan und das Wildpferd« (1957) und »Das Eselchen Grisella« (1956) sind der älteren und mittleren Lesergeneration noch ein Begriff. Das gilt auch für Katharine Allfreys Kinderbuch »Delphinensommer« (1963), das in kaum einem Mädchenzimmer fehlte. Kurt Lütgen zählt zu den Begründern des realistischen Kinderbuches. Nach ihm ist heute ein eigener Kinderbuchpreis benannt. Viele Kinderbücher sind auf dem besten Wege, historisch zu werden. Das gilt etwa für Otto Jägersbergers poetisch-skurrilen Comic »Leo im Rüsselland« (1972). Bei den »aufgeklärten Märchen« eines Peter Rühmkorf sind die Grenze zwischen Kinder- und Erwachsenen-Literatur längst überschritten. Das gilt auch für die Autorinnen und Autoren. Auch hier gibt es keine Regeln. Viele Schriftsteller schreiben sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Zunehmend wird die Buchproduktion von Hör- und Multimedia-CDs ergänzt. Aktuelle »Renner« sind Annette Langens in zwanzig Sprachen übersetzte »Hase-Felix«-Bücher im Münsterer Coppenrath-Verlag. »Felix« ist inzwischen Merchandising-Star auf Reisetaschen, Schulutensilien, Plüschtieren, Spielen, Bettwäsche usw.