K wie Krimi

Ist nicht schon Annette von Droste-Hülshoffs Novelle »Die Judenbuche« ein Krimi? Jedenfalls wird er als solcher rezipiert und in entsprechenden Sammelbänden rubriziert. Ebenfalls ein Krimiautor früherer Tage ist der aus Oelde-Lette gebürtige Jodokus Donatus Hubertus Temme. Er gilt als Vater der deutschen Detektivgeschichte. Der Autor verfolgte mit seinen Kriminalerzählungen aufklärerische Ziele. Im Zentrum seiner »Verbrechererzählungen« steht die Kritik an einer juristischen Praxis, die oft selbstherrlich und willkürlich verfuhr. Thematisch geht es bei Temme immer wieder um die Verstrickung des Menschen im Dickicht preußischer Zivil- und Strafgesetze sowie um die Kluft, die sich zwischen Recht (Moral) und Gesetz auftut. Von daher sind die zahlreichen trivialen Zutaten in seinem Werk nicht mehr als Staffage und Konzessionen an einen seichten Publikumsgeschmack. Nachdem Temme von den Preußen wegen seiner demokratischen Haltung zunächst als Jurist in entlegene preußische Provinzen »verbannt«, dann inhaftiert und schließlich entlassen worden war, wurde die belletristische Tätigkeit seine wichtigste Einnahmequelle. Er veröffentlichte, wie er in seinen »Erinnerungen« (1883) ausführt, »aus Not ums tägliche Brot«. Er entwickelte dabei eine Produktivität sondergleichen. Aus seiner Feder stammen rund 150 Romane und Erzählungen. – Der Regionalkrimi boomt. Entsprechend ist die westfälische Krimiszene, mit einem besonderen Schwerpunkt im Ruhrgebiet, fast unüberschaubar geworden. Privatdetektiv Georg Wilsberg, vom Münsterer Autor Jürgen Kehrer (Jg. 1956) auf Ermittlungstour geschickt, ist inzwischen ein Fernseh-Star. Die Dortmunderin Sabine Deitmer leitete mit ihren »Männermordgeschichten Bye-bye Bruno« den Trend der lustvoll mordenden Frau ein und erzielte auf Anhieb einen überragenden Verkaufserfolg, an den sie mit »Auch brave Mädchen tun’s. Mordgeschichten« und weiteren Titeln anknüpfte. Der 1989 gegründete Dortmunder »Graphit«-Verlag hat sich mit großem Erfolg ganz auf die Krimi-Sparte verlegt. Der Umsatz lag 2004 bei ca. 2,5 Mill. Euro. Westfälische Autoren wie Kehrer (Auflage 335.000), Reinhard Junge (270.000) und Gabriella Wollenhaupt (270.000) haben hieran maßgeblichen Anteil. Auch der Bielefelder Pendragon-Verlag verfügt inzwischen über eine eigene Krimi-Sparte. Hier erscheinen unter anderem Neuauflagen der Krimis von Frank Göhre. Beim Publikum sind Krimis seit Jahren ein Renner. Das zeigt nicht nur die »Dortmunder Krimi-Nacht«, sondern auch die vom Literaturbüro Unna veranstaltete Reihe »Mord am Hellweg«, die 2006 zum dritten Mal stattfand und mit viel Leseprominenz aufwartete. Das Programm war üppig: Rund 100 Krimiautoren bestritten 150 Veranstaltungen in 21 Städten, Kreisen und Gemeinden – und tragen somit zu Europas größtem internationalem Krimifestival bei. Das Bochumer »Krimi-Archiv« mit dem bezeichnenden Kürzel »BKA« stellt seine gesammelten Informationen im »Lexikon der deutschen Krimi-Autoren« im Internet zur Verfügung. Hier findet man Lebens- und Werkdaten zu über 250 deutschsprachige Krimi-Autoren. Krimiautoren in spe finden in der Liste »oft gestellte Fragen« Hilfe. Auch werden grundlegende Kenntnisse über Kriminalliteratur vermittelt und Tipps und Tricks für den Umgang mit Verlagen geliefert. Einmal im Jahr vergibt das »BKA« den renommierten »Deutschen Krimi Preis«, den ältesten Kritikerpreises für das Genre im deutschsprachigen Raum. Wichtige (und vielfach preisgekrönte) westfälische Krimiautoren/innen sind: Reinhard Junge, Hans Dieter Mummendey, Heinrich Peuckmann, Peter Schmidt, Friedel Thiekötter, Friedrich Werremeier und Walter Wehner.