M wie Märchen

Die Geschichte der deutschen Kinderliedersammlungen beginnt 1806/08 mit Achim von Arnims und Clemens Brentanos »Des Knaben Wunderhorn«. Die Sammlung war auch das Vorbild für ähnliche Bestrebungen im Bökendorfer Märchenkreis (s. das entsprechende Stichwort) und der Brüder Grimm. »Es war vielleicht gerade Zeit, diese Märchen festzuhalten, da diejenigen, die sie bewahren sollen, immer seltner werden…«,  heißt es 1812 in der Vorrede der »Kinder- und Hausmärchen« der Brüder Grimm, der bekanntesten deutschen Märchensammlung. Über zweihundert Texte wurden von Jacob und Wilhelm Grimm zusammengetragen, wobei sie sowohl aus mündlicher Überlieferung als aus schriftlichen Quellen schöpften. Eine Vielzahl dieser Märchen verdankten die Grimms Mitgliedern der Familien von Haxthausen und von Droste-Hülshoff. – Eine der bekanntesten westfälischen Märchenerzählerinnen um 1900 war Hedwig Kiesekamp. Ihren im Münsterland spielenden »Kunstmärchen« wird immer noch ein gewisser Rang bescheinigt. Wie in unzähligen Westfalenromanen anderer Autoren verklärt die Autorin Westfalen aus patriotischem Blickwinkel zu einem »sonderbaren« Land. – Heutige Anknüpfungspunkte ergeben sich über die »Europäische Märchengesellschaft« (EMG) mit Sitz im Kloster Bentlage in Rheine. Die Gesellschaft wurde 1956 gegründet. Mitglieder sind Wissenschaftler/innen unterschiedlicher Fachrichtungen, Erzähler/innen und Künstler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen. Darüber hinaus will die Vereinigung einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten. Aus diesem Motiv heraus richtet sie Tagungen im In- und Ausland aus sowie Seminare zur Märchenkunde, zur Märchendeutung, zur Erzählförderung und zum kreativen Umgang mit Märchen. Die EMG gibt eine eigene Buchreihe heraus und dokumentiert auf Tonträgern Lesungen namhafter Erzählerinnen und Erzähler. Sie unterhält eine Spezialbibliothek mit Primär- und Sekundärliteratur. Zurzeit hat die Europäische Märchengesellschaft fast 2.700 Mitglieder.Auch das Deutsche Märchen- und Wesersagen-Museum in Bad Oeynhausen verfügt über reichhaltige Schrift- und Bildsammlungen zum Thema Märchen. Sammelschwerpunkte sind »Frau Holle« und die bekannten Sagengestalten der Weserregion: »der Rattenfänger«, »Dr. Eisenbarth« und der »Lügenbaron Münchhausen«. Außerdem wird der Werdegang der Märchensammler Wilhelm und Jacob Grimm dokumentiert. Das Museum befindet sich in der ehemaligen Villa von Paul Baehr. Der Thorner Offizier, Literat und Romantiker siedelte nach einem Unfall 1883 aus gesundheitlichen Gründen nach Bad Oeynhausen über. Er engagierte sich in der Kommunalverwaltung und wurde Bürgermeister. Daneben ging er literarischen Interessen nach, gab mehrere eigene Gedichtbände heraus, stellte Anthologien zusammen und verfasste einen Führer und eine Chronik des Badeortes (1909).