Der klassische westfälische Mundartdichter ist Augustin Wibbelt. Er stammt aus der Ahlen-Vorhelmer Bauerschaft Schäringerfeld (»Mein Jugendparadies liegt in einer Ecke des Münsterlandes, recht im Herzen von Westfalen…«). Sein Name weist jedoch weit über seinen Geburtsort hinaus, was mit Wibbelts Lebensstationen als Priester zusammenhängt, die ihn nach Münster, Kleve und Duisburg führten. Für das katholische »Ludgerus-Blatt« verfasste Wibbelt neben zahlreichen Artikeln zu weltanschaulichen Themen amüsante Dialoge und Erzählungen im westfälischen Dialekt. Damit waren so bekannte Figuren wie »Drüke-Möhne« oder »Vader Klüngelkamp« zum Leben erweckt. Wibbelts Schriften erreichten über die Jahre hin eine stolze Auflagenhöhe. Das war schon zu Lebzeiten so. Damals erschienen seine plattdeutschen Werke in 72 Auflagen, bis heute sind es etwa 150. Die literarische Produktivität Wibbelts ist kaum zu überblicken. Es kommen etwa 110 Bücher und Schriften zusammen, dazu – grob geschätzt – etwa 10.000 Schreibmaschinenseiten an Leitartikeln, Plaudereien etc. sowie weitere Veröffentlichungen in Zeitschriften und Heimatkalendern. Wibbelts Anliegen – schon vor hundert Jahren – war, die plattdeutsche Sprache als Kulturgut zu bewahren: »Das Plattdeutsche ist meine Muttersprache, es ist eine Sprache, die alle Möglichkeiten poetischer Gestaltung in sich birgt, und sie ist in großer Gefahr, unterzugehen.« Ein »Wibbelt-Zimmer« im Museum Abtei Liesborn zeigt Originalmobiliar und Erstausgaben Wibbeltscher Dichtung. – Neben der traditionellen Mundart – hier wären weiterhin unter anderem Karl Wagenfeld, Anton Aulke und Heinrich Luhmann anzuführen – ist die besonders innovative (mit vielen Preisen ausgezeichnete) moderne niederdeutsche Dichtung zu nennen. Die Lyrik Norbert Johannimlohs, Siegfried Kessemeiers und Georg Bührens (Jg. 1955) orientiert sich an der heutigen Gegenwartsliteratur, unter anderem an den Sprachexperimenten der »Wiener Schule«. Sie befreite die niederdeutsche Mundart vom Altväterton, vom Ruch der Döhnekes-Harmlosigkeit und, wie es in einer Kritik hieß, aus dem »Unterholz des Kuriositätendaseins«. Dies galt auch für das westfälische Hörspiel. Hier tat sich vor allem Norbert Johannimloh hervor. Er reformierte das plattdeutsche Hörspiel nicht nur inhaltlich, indem er aktuelle und brisante Themen aufgriff, sondern auch formal: »Airport Mönsterland« (1971) war das bis dahin erste O-Ton-Hörspiel im Dialekt: »Unter den westfälischen Hörspielautoren der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ist Johannimloh sicher als der wichtigste hervorzuheben« (Ulf Bichel). Jochen Schütt bezeichnete Johannimlohs Hörspielschaffen »als geradezu vorbildhaften Glücksfall« für die niederdeutsche Literatur.