Q wie Qualität und Quantität

Noch vor zwei Jahrzehnten hätte die Auskunft, man beschäftige sich mit Regionalliteratur, eher Unverständnis hervorgerufen. Die Zeiten haben sich gewandelt. Die regionale Literaturforschung hat sich innerhalb der Germanistik als eigener Forschungsszweig etabliert, nahe der Tür zur Sozialgeschichte und Literatursoziologie. Dahin steckt – pauschal formuliert – die Einsicht, dass Literatur über Jahrzehnte zu wesentlichen Teilen regional gebunden war und einen authentischen Spiegel historischer Wirklichkeit darstellt. Mit einer Öffnung der Germanistik seit Mitte der 1960er Jahre erwachte ein neues, kulturgeschichtlich profiliertes Interesse an der Region und mithin ihrer Literatur. Es interessiert die Vielfalt der literarischen Erscheinungsformen, bis hin zur populären Unterhaltungsliteratur, zur Erbauungsfibel oder dem persönlichen Poesiealbum. Das erwähnte „Westfälische Autorenlexikon“ und viele Projekte der »Literaturkommission für Westfalen« tragen einem solchen, weiten Literaturbegriff Rechnung.