R wie Region oder auch Riha

»Region« oder auch »Riha«: Das eine schließt das andere mit ein. Der Name Karl Rihas steht für experimentelle, häufig auch verschrobene Literatur. Der Literaturwissenschaftler, Autor und Visueller Künstler ist ein entschiedener Verfechter der Provinz. Das hat persönliche Hintergründe. Riha entschied sich, nach Stationen in Frankfurt und Berlin, sein Quartier im Hinterland, genauer gesagt, in Siegen aufzuschlagen, allem Großstadtgetümmel und literarischem Trubel zum Trotz. »Anderswo schmeckt die Wurst auch nicht besser«, so sein Credo. Riha hält es mit Eugen Gomringers Maxime: »kunst ist mobil, provinz ist mobil«. Die Provinz könne, so Riha, ebenso kreativ sein wie die Großstadt provinziell. Mit dem Unterschied, dass man außerhalb der Metropolen zum Aktivismus geradezu verdammt sei. Man müsse seine passive Konsumenten-Haltung zwangsläufig aufgeben. Rihas Ansichten werden von vielen westfälischen Autorinnen und Autoren geteilt. Dies zeigt etwas das Ergebnis des Projekts »Home sweet home. Hausbesuche bei westfälischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern«, das die Literaturkommission für Westfalen 2004 durchführte. Zwei exemplarische Antworten: »Mein Zuhause ist für mich ein Bezirk der Vertrautheit und möglichst weitgehender Selbstbestimmung.« (Siegfried Kessemeier) »Meine Heimat ist hier, mein Zuhause ist hier, da wo ich hingehe, trage ich mich mit und indem ich mich mittrage, nehme ich auch eigentlich Westerwinkel mit in die Welt« (so die Jugendbuchautorin Jutta Richter).