S wie Satire

Ein Altmeister der Satire ist Georg Weerth. Leben und Taten des berühmten Ritters Schnapphahnski war der erste deutsche Feuilletonroman. Er erschien 1848/1849 zunächst in der Neuen Rheinischen Zeitung und trug Weerth eine gerichtliche Klage wegen Beleidigung des Fürsten Felix Lichnowsky und eine dreimonatige Haftstrafe ein. Einer der bedeutendsten Satiriker der Gegenwart ist Michael Klaus (geb. 1952 in Gelsenkirchen). Seine Hauptdarsteller sind bevorzugt Typen mit liebenswerten Macken. Es sind die kleinen Helden des Alltags, die aber groß sind in ihrem Wollen und manchmal hilflosen Streben. Klaus schlägt sich gern auf ihre Seite, ohne jede Häme oder Herablassung. Dass die meisten Storys gleichsam vor Klaus’ Haustür spielen, hat eine gewisse Zwangsläufigkeit. Das Ruhrgebiet scheint abonniert auf urige, skurrile Typen Klaus’scher Machart – keine Dumpfbacken aus RTL-Serien, sondern wirkliche Originale, standhaft in ihrem Tun auf oft schwankendem Parkett. In einer Kritik heißt es: »Solche Texte hat im Deutschen Robert Walser geschrieben. Und Peter Altenberg, ein anderer Meister von Text-Essenzen hat gesagt, er schreibe zwar kurze aber keine kleinen Texte. Das ist Michael Klaus: Ein Autor von keinen kleinen Texten.« – »Gaza-Streifen interessiert mich nicht. Ich habe selber Problemzonen genug, hörte ich eine junge Frau am Nebentisch sagen. Eben noch hatte ich aufbrechen wollen, aber jetzt flüsterte mir eine innere Stimme sehr eindringlich zu: Hier sollst du bleiben, denn hier, am Quell des Quasselns, wirst du vieles erfahren.« Wegen seiner zynischen Glossen ist Droste als »Nilpferdpeitsche unter den Kolumnisten« und »Verbalterrorist« verschrien. Er sucht die Provokation und wählt oft das Mittel der persönlichen Diffamierung. »Es gibt diese selbst gemachte Medienprominenz. Solche Leute können einem furchtbar auf die Nerven gehen, da entsteht bei mir so eine gewisse Abwehr- oder Notwehrhaltung. Grob gesagt: Man muss auch mal den Medienmüll heruntertragen, weil er sonst irgendwann die Wohnung füllt.« Droste wurde 2005 mit dem Annette von Droste-Hülshoff-Preis (Westfälischer Literaturpreis) ausgezeichnet. Franz Josef Degenhardt über Drostes Kolumnen: »Aufrührerisch, amüsant, anstößig, komisch, entzaubernd, provozierend, apodiktisch, beleidigend, grantig oder bösartig das Widerwärtige widerwärtig nennend , und das in bestem Deutsch.«