T wie Trümmerliteratur

Nach 1945 fehlen in Westfalen zunächst Impulse für eine adäquate Aufarbeitung der Kriegs- und Nachkriegszeit. Die Autoren der älteren Generation, in der Hauptsache Heimatschriftsteller, viele davon NS-belastet, prägen weiterhin das Bild. Mitte der 1950er Jahre macht dann eine junge Generation westfälischer Prosaautoren auch überregional auf sich aufmerksam: Paul Schallück und Thomas Valentin, beide Jahrgang 1922, und Josef Reding. Sie behandeln, wie Heinrich Böll, Martin Walser und Günter Grass, Themen der Trümmerliteratur: Tod, Ruinen, Untergang, Überlebenskampf, Schuld, Gefangenschaft, Heimkehr, Not, Moralische Bedrohung und Bewährung. Man war gewillt, »von vorn an[zu]fangen, ganz von vorn« (Wolfgang Weyrauch). Dieses Programm schloss unmittelbare Anklage mit ein: Vorwürfe an der Generation der Väter, die an der »betrogenen Jugend« mitschuldig waren. So mischten sich Vergangenheitsbewältigung und Aufbruchstimmung mit Resignation und Hoffnungslosigkeit, Idyllensehnsucht mit Fluchttendenzen. Nur folgerichtig engagieren sich zahlreiche westfälische Autoren auch politisch. Am sichtbarsten Paul Schallück, der wiederholt Kritik an der katholisch-konservativen Restauration der Adenauer-Ära übte. Diese Kritik wird – im Roman – nicht dezidiert artifiziell zum Ausdruck gebracht, sondern in einer direkten, ungeschönten Sprache.