Ein Apfel geht um die Welt. Er ist jenes Musterbeispiel Visueller Poesie, das wohl jedem einmal begegnet ist: In der Silhouette eines Apfels hat sich neben dem vielfach repetierten Wort »Apfel« das kleine Wörtchen »Wurm« eingeschlichen. Als Bildgedicht – eine Kunstform, die vor allem in der Antike und im Barock beliebt war, aber auch viele heutige Literaten und Künstler reizt –, wurde der wurmstichige Apfel in viele Sprachen übersetzt und fand Eingang in Schulbücher. Das Gedicht stammt von dem Wattenscheider Reinhard Döhl, einem der bekanntesten Vertreter der sog. Visuellen Poesie. Im Literaturmuseum Haus Nottbeck wird der Visuellen Poesie besonderes Augenmerk geschenkt. Man findet sie in einem Raum, in dem durch eine Internet-Simulation via Apple-iMac-Computer ein Hauch Futurismus weht. Eben hierzu passen die dort ausgestellten Arbeiten eines S.J. Schmidt, Timm Ulrichs, Reinhard Döhl, Reinhold Köhler und Karl Riha, Autoren, die sich allesamt zum Sprachexperiment bekennen. Aber auch im Zimmer der Barockpoeten finden sich Beispiele Visueller Poesie. Gemeint sind jene Punkte, die Karl Riha so auf Dominosteinen platziert und arrangiert hat, dass die Verteilung ein 4-4-3-3-System ergibt, also die klassische Form eines Sonetts abbildet, wie es besonders im Barock zu Ehren kam. Reinhard Döhl war zudem ein Pionier der Internet-Dichtung und Netzkunst (s. www.reinhard-doehl.de ). Im Bereich moderner niederdeutscher Dichtung sind Heinrich Schürmann und Siegfried Kessemeier zu nennen.