Die Geschichte der »Wiedertäufer« ist ein stehendes Thema nicht nur der westfälischen Literatur. Es hat Autoren quer durch die Jahrhunderte zur Bearbeitung gereizt. Zwei Bühnenbearbeitungen des Stoffes wurden wirkungsgeschichtlich wichtig. Giacomo Meyerbeers Oper »Der Prophet« (1835-1949), die auf den Bühnen in Paris begeistert gefeiert wurde, und Friedrich Dürrenmatts(1921-1990) »Die Wiedertäufer. Eine Komödie in zwei Teilen« (1967). Das Stück zeigt in Form einer grotesken Komödie die schlimmstmögliche Wendung, die ein Geschehen nehmen kann. Bockelsons Aufstieg zum Täuferführer »aus beruflicher Misere« ist eine Anspielung auf Hitlers beruflichen Werdegang vom gescheiterten Kunstmaler zum »Führer«. – Der ZDF-Film »Der König der letzten Tage« war die bis dahin teuerste deutsche TV-Produktion. Rechtzeitig zum Filmstart erschien eine Buchfassung (1993). Als Grundlage für das Drehbuch diente das 1981 erschienene Buch »Der König der letzten Tage« der beiden Pariser Journalisten Pierre Barret und Jean-Nol Gurgand. Es handelte sich dabei um eine populäre, unkritische Darstellung, die beim Publikum durchfiel. Weite Verbreitung fand Nicholas Salamans Roman »Der Garten der Lüste. Ein Roman aus der Zeit der Widertäufer« (1997). – Die erste wichtige westfälische Darstellung der Wiedertäuferzeit ist die »Warhafte und kurtze Lehr und Lebens Beschreibung Der Wiedertauferen« des Hermann Kerssenbroick aus dem Jahre 1573. Sie wurde vom Rat der Stadt Münster verboten. Nicht aus konfessionellen Gründen – die Abhandlung ist strikt im Sinne der katholischen Restitutionspartei verfasst –, sondern weil sich die Erbmänner und Gilden der Stadt verleumdet fühlten. Der Autor wurde wegen Beleidigung der Obrigkeit angeklagt. Erst 1730 konnte die Schrift in Auszügen gedruckt werden. Aufgrund der Aufmerksamkeit, die das gerichtliche Verfahren erregt hatte, existierte jedoch eine handschriftliche Fassung, die rasche Verbreitung fand. Auf Kerssenbroicks Darstellung fußen zahlreiche spätere Bearbeitungen des Themas. Auch Annette von Droste-Hülshoff wollte bei einer von ihr geplanten Bearbeitung des Stoffes auf Kerssenbroick zurückgreifen. Sie gab ihr Vorhaben jedoch auf, weil ihr die »Katastrophe… zu gräßlich … auch zu gemein« erschien. Lulu von Strauß und Torney bezog in ihrem Roman »Der jüngste Tag« (1922) entschieden gegen die Täufer Stellung. In Jürgen Kehrers (1956) »Wilsberg und die Wiedertäufer« (1994) treibt ein »Kommando Jan van Leiden«, hinter dem sich von der Kirche enttäuschte Christen verbergen, sein Unwesen. Der aus Verl gebürtige Norbert Johannimloh beschäftigte sich in zwei niederdeutschen Hörspielen, »Künink von Duahlen un Weind« (1964) und »Judith van Mönster« (2000), sowie seinem Erzählband »Die zweite Judith. Drei Frauen aus der Zeit der Wiedertäufer« (2000) mit dem Thema. Die erwähnte Judith steht für die Anhängerin der Täufer, Hille Feicken. Diese verließ das von den bischöflichen Truppen umzingelte Münster, um den Bischof zur neuen Lehre zu bekehren oder zu töten. Sie wurde gefangen, gefoltert und enthauptet.