Hier ist erneut auf die Dada-Autoren Richard Huelsenbeck und Karl Döhmann hinzuweisen. Ein Spracherneuerer und produktiver Sprachschöpfer und -erneuerer war auch August Stramm. Der entschieden innovative Dichter war für die deutsche Literatur das, was Wassily Kandinsky für die Malerei oder Arnold Schönberg in der Musik war: Der Erfinder der Abstraktion. Alfred Döblin äußert 1915, anläßlich von Stramms Tod: »Ich weiß keinen, der so, ohne zu spielen und Faxen zu machen, mit der deutschen Sprache gewaltsam umgesprungen wäre, als mit einem Stoff, den er bezwang und der nicht ihn bezwang. Niemand war von so vorgetriebenem Expressionismus in der Litteratur; er drehte, hobelte, bohrte an der Sprache, bis sie ihm gerecht wurde… Seine Sachen sind… puritanisch echt und unnachgiebig.« Und Franz Marc ergänzt: »Die Art, wie Stramm seinem Gefühl Ausdruck gibt, ist so rücksichtslos, so bewußt und von einer so schöpferischen Lust eingegeben und bestimmt, die sich so wenig um die Trägheit des Lesers kümmert, wie der Komponist einer Chaconne oder wie der Maler heute. Unser Gefühl von der Welt findet keinen anderen Ausdruck.« In Stramms radikaler Kunst wird das Wort von seiner konventionellen Bedeutung befreit – durch Erneuerung des Wortschatzes, durch weitgehenden Verzicht auf Adjektive, durch das Umfunktionieren von Adjektiven zu Verben, durch radikale Verkürzung des Verses bis auf das isoliert stehende Einzelwort, durch ungewöhnliche Kopplungen von Wörtern, durch das unmelodische Collagieren eines Textes. Hier artikuliert sich offener Widerstand gegen alles Tradierte und Normierte. – In sprachartistischer Hinsicht ist auch Ralf Theniors Gedichtband aus dem Jahre 1979 »Sprechmaschine Pechmarie« zu nennen. Auf die Suche nach einer neuen Literatursprache begab sich auch Hans Wollschläger in seinem James Joyce geschuldeten Roman »Herzgewächse oder Der Fall Adams. Fragmentarische Biographik in unzufälligen Makulaturblättern.« (1982).