Z wie Zukunft

Um die Zukunft der westfälischen Literatur muss man sich nicht sorgen. Immer neue Autorinnen und Autoren lassen sich nicht abschrecken von schwierigen Marktbedingungen und der Prognose, dass das Buch keine Zukunft besitze. Im Gegenteil: Die junge westfälische Literatur steckt voller Offensivkraft, sei es im Experientellen wie bei Nicolai Kobus (1968) und Hendrik Jackson (1971), im Humoristisch-Verschrobenen wie bei Jana Scheerer (1978), in Krimi und Roman wie bei Stefan Beuse (1967) und Anke Velmeke ( 1963). Aber auch Thomas Krüger (1961), dessen Lyrik als »gewaltiger Crossover« und »ebenso ausgeflippter wie seriöser Genremix quer durch Raum und Zeit« beschrieben worden ist, und Jürgen Noltensmeier, der aus der Poetry-Slam-Bewegung kommt und urkomische »Geschichten von Gestörten« zum Besten gibt, schüren neue Leselust. Regionale Scheuklappen sind dabei nicht im Spiel.  Der Blick ist auf die gesamtdeutsche Literatur gerichtet. In qualitativer Hinsicht kann nur die globale Literaturbühne als Maßstab dienen, auf der sich – siehe oben – westfälische Autorinnen und Autoren sehr gut behaupten können. Auffällig ist – auch bei den Jüngeren – wie oft die regionale Herkunft zum Gegenstand ihres Schreibens wird – und sei es auch nur in Form einer satirischen »Abrechnung«. Ein Beispiel hierfür ist Hans-Ulrich Treichels Gedicht »Westfälische Himmelfahrt«:  Steine und Flüche flogen
mir nach als ich himmelwärts
aufstieg mit Jubelgeschrei,
als ich zischend mit rauchenden
Füßen und brennendem Haar in
den Lüften verschwand, nur
den Würmern werde ich fehlen,
rief ich zum Abschied und zog
meine Kreise über kauendem
Vieh, über Wiesen und Gärten,
Fabriken und Villen, wer weiß
wann ich wieder auf schwitzende
Väter, auf schwatzende Mütter,
auf eure besonnten Terrassen
mich stürze, wer weiß.

Und Wiglaf Drostes Glosse »Tünseliges Ostwestfalen« beginnt mit den Worten: »Der Ostwestfale sieht manchmal aus wie eine Kartoffel, und immer spricht er so. Er sagt nicht wirklich oder Wurst, sondern wiaklich und Wuast, der Nachmittag ist ihm ein Nammittach und das Abendbrot ein Aaahmtbrot. Ich weiß das, ich komme da wech, und deshalb dürfen Renée Zucker und Harry Rowohlt auch Wichlaf zu mir sagen…«