Angeregt durch das Vorbild von Daniel Defoes »Robinson Crusoe« (1719/20) erschienen im 19. Jahrhundert Robinsonaden ohne Zahl. Auch Westfalen stand nicht zurück. Vom Verfasser des »neuen westphälischen Robinson«, Karl Friedrich Benkowicz, sind nicht mehr als seine Lebensdaten – 1764-1807 – bekannt. Benkowicz ist das typische Beispiel für einen Fabrik-Romanschreiber. Die obskure Abenteuergeschichte will mit ihren 777 Seiten schier nicht enden und verstrickt sich in immer neuen Irrungen und Wirrungen. Gleichwohl erlebten solche Trivialwerke hohe Auflagen. Die Mahnungen eines Pragmatikers – des westfälischen Industriepioniers Friedrich Harkort – verhallten scheint's ungehört. In seinen »Bemerkungen über die Preußische Volksschule und ihre Lehrer« (Hagen 1842) heißt es: »Welchen ungemeinen Einfluss die Lectüre auf den Entwicklungsgang einer unterrichteten Nation äußert, bedarf wohl keiner Erwähnung… Wonach hascht die Jugend? Welcher Stimme leiht sie ihr lauschendes Ohr? Nicht dem Wissen, nein, dem Ammenmärchen, den Räuber- und Gespenster-Geschichten; diese prägen sich vor den Buchstaben dem Gedächtniß unverwüstbar ein!« Lohnschreiber wie Benkowicz waren damals auf Gedeih und Verderb dem literarischen Markt ausgeliefert, der allerdings expandierte und auch Außenseitern Verdienstmöglichkeiten einräumte.
Tondokumente
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Der seltsame Mann audio/mpeg, 17 MB
