1842 Annette von Droste-Hülshoff: Die Judenbuche

Nur wenige deutschsprachige Werke haben eine so große Leserschaft wie diese »Meisternovelle« der Annette von Droste-Hülshoff. Die Auflage hat sich bei etwa sechs Millionen Exemplaren eingependelt. Dieser Erfolg stellte sich jedoch erst Jahrzehnte nach dem Tod der Autorin ein. Die Lektüre hinterlässt einen wie auch immer beschaffenen »mysteriösen Beigeschmack«. Gemeint ist damit jene Elemente des »Unheimlichen« und »Zwielichtigen«, die in der Poetologie der Autorin einen besonderen Stellenwert einnehmen. Die Handlung beruht in groben Zügen auf einer tatsächlichen Begebenheit, wurde von der Autorin aber frei ausgestaltet. Kern ihrer Erzählung ist nicht mehr der aktenmäßig nacherzählte Judenmord, sondern das Sozio-Psychogramm des vermeintlichen Mörders, dessen Lebenslauf bis in seine Kindheit zurückverfolgt wird. Aufgrund der realistischen, sozialkritischen Ausgestaltung befürchtete die Autorin von ihren Landsleuten »gesteinigt« zu werden.Die verwickelte Psychologie der Geschichte um einen vermeintlichen Judenmörder fasziniert noch heute. Es kommt das Raffinement der Autorin zum Ausdruck, die im Grunde mehr verhüllt als erklärt. So bleibt letztlich auch die Täterfrage rätselhaft. Ursprünglich war die »Judenbuche« nicht als eigenständige Geschichte konzipiert, sondern Bestandteil eines großangelegten Westfalenromans (»Bei uns Zulande auf dem Lande«), der jedoch Fragment blieb.

Galerie

Tondokumente

  • Lesung Judenbuche audio/mpeg, 12 MB