1844 Ferdinand Freiligrath: Mein Glaubensbekenntniß

Ferdinand Freiligrath (1810-1876) profitierte von allen westfälischen Autoren am meisten vom Aufschwung der politischen Lyrik. Und dies fast gegen seinen Willen. Denn lange Zeit war die »unselige Tendenzpoesie« für ihn eine »Vorläuferin des Verfalls aller Poesie« und damit ein »Anfang vom Ende« überhaupt. Erst nachdem er sich mit einer solchen Position immer mehr von den herrschenden Literaturströmungen isoliert hatte, in den Verdacht geraten war, Parteigänger der Restauration zu sein (durchaus begründet, denn er hatte vom preußischen König eine Ehrenpension von jährlich 300 Talern angenommen), und selbst für einige »gemäßigte« Gedichte die Folgen der preußischen Zensur zu spüren bekommen hatte, wendete sich das Blatt: Freiligrath mutierte zu einem Dichter der Revolution. Was die literarischen Stilmittel anbelangte, blieb er sich allerdings treu. Seine stark rhetorisch geprägte Lyrik stellte er nunmehr in den Dienst der politischen Sache. Hiermit erfüllte er jene Kriterien, die für die politische Lyrik jener Jahre charakteristisch waren: Verwendung schlichter Formen, Eingängigkeit, hohe Emotionalität, prägnante inhaltliche Aussage.Seine im August/September 1844 erschienene Sammlung »Mein Glaubensbekenntniß« ist eine der wichtigsten deutschen Sammlungen politischer Lyrik. Sie sorgte in der Öffentlichkeit für großes Aufsehen und erlebte, obwohl sogleich verboten, fast umgehend eine zweite Auflage. Die zunehmenden preußischen Pressionen zwangen Freiligrath 1844, sich ins Ausland abzusetzen. 1848 kehrte er nach Deutschland zurück und nahm unter Karl Marx als Redakteur der »Neuen Rheinischen Zeitung« aktiv an der revolutionären Bewegung teil.

Galerie

Tondokumente

  • Mein Glaubensbekenntiß audio/mpeg, 8 MB