Während die 1848er Revolution vor der Tür stand, verfasste der Münsterer Redakteur Ferdinand Zumbrook (1816-1890) »gemütliche« Gedichte. Gemütlich soll heißen: Er schrieb Schwänke und Döhnkes über das dörfliche Volksleben und die Behaglichkeit des Bürgeralltags in Münster. Ihr Personal sind Münsterische Haustöchter und Kindermädchen, Unteroffiziere und dumme Bauern. Schauplatz sind Teegesellschaften, Cafés und Wirtshäuser. Auch wenn es Zumbrook an literarischer Meisterschaft fehlte (der Umgang mit Versmaß, Rhythmus und Reim ließ zu wünschen übrig), genoss er als Volkspoet ungemeine Popularität: ein »urgesunder, frischer, fröhlicher, kräftiger Schalk, der nur selten den Nagel nicht auf den Kopf trifft«, wie es in der »Kölnischen Zeitung« über ihn hieß. »Er schildert das Leben ohne Aufregung, ohne Probleme, wie es die satte Behaglichkeit des Münsterischen Bürgers sah. Keine himmelhochjauchzende Liebe, kein verzehrender Gram spricht aus seinen Liedern, sondern eine zufriedene Selbstgenügsamkeit, welche das Leben nur von der genießerischen Seite auffasst, ohne die Blicke höher zu richten. Derselbe Ton geht durch die »Dontjes« durch, die dem Westfalen das sind, was dem Mecklenburger Reuters »Läuschen«. Wenn auch in seiner Heimat vielgelesen, blieb, nicht unverdient, Zumbroock im weiteren Deutschland unbekannt.« (Wolfgang Stammler) Zumbrooks »Poetische Versuche in westfälischer Mundart« brachten es bis 1910 auf 12 Auflagen. Ein Begleitband mit Melodien erlebte ebenfalls Nachdrucke. Daneben sind seine Bühnenwerke und »Zimmermannssprüche« zu nennen. Auf seinen Spuren folgten später das Münsterer Original Hermann Landois (1835-1905), Friedrich Wilhelm Grimme (1827-1887) und in Teilen seines Werks auch Augustin Wibbelt (1862-1947) nach.
Tondokumente
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