1878 Weber

Friedrich Wilhelm Webers »Heldengedicht« »Dreizehnlinden« wurde zu einem westfälischen Volksepos. Es erreichte annähernd eine Millionenauflage. Bis nach dem zweiten Weltkrieg gehörte es zur Schullektüre. Die weite Verbreitung im westfälischen Raum erklärt sich vor allem aus dem katholischen und heimatverbundenen Grundcharakter des Werkes. Wenn Weber die Westfalen als »fromm, sinnig, weich, nicht überzart, / Zäh, treu, auch trotzig, deutsche Leute« charakterisierte, so stiftete das in weitem Maße Identifikation. Der Erzähleingang »Wonnig ist’s in Frühlingstagen / nach dem Wanderstab zu greifen / und, den Blumenstrauß am Hute / Gottes Garten zu durchstreifen« wurde nahezu volkstümlich. Heimatbekenntnisse durchziehen Webers gesamtes Werk und viele seiner Briefe. Er mochte die Großstadt nicht, und sehnte sich, als er in Greifswald und Breslau Medizin studierte, in die Heimat zurück. Dennoch hat er kein »Trautes Heim bringt Glück allein« propagiert. Seine Tätigkeit als Abgeordneter der Zentrumspartei im Berliner Parlament, vor allem aber sein Beruf als Arzt prägten seinen sozialen Sinn und die realistische Ader seiner Dichtung. Webers christlich-katholisches Ethos ist meist ohne Überschwang, häufig auch resignativ. In seiner Spruchdichtung wandte sich Weber, dem der Beiname ›der rote Weber‹ verliehen worden war, gegen die Materialisten, die leeren Schwätzer und die Grundgescheiten. Politische Programmgedichte durfte man von ihm jedoch nicht erwarten. Er behauptete von sich: »Politik ist niemals mein eigentliches Element gewesen«. Es gibt aber auch den deutsch-nationalen Weber, der den Untergang des französischen Kaiserreiches mit Versen beschwor wie: »Poetenwort, Prophetenwort! / Mein frommes Volk, nun schlage drein, / Und wasche dir nach blut'gem Werk / Die Händ’ im deutschen Rhein!«

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  • Dreizehnlinden audio/mpeg, 12 MB