1886 Friedrich Wilhelm Grimme

Das literarische Schaffen Friedrich Wilhelm Grimmes (1827-1887) reiht sich ein in die volkstümliche, »bekennende« Westfalendichtung. Grimme wird als der »Klassiker« des Sauerlandes bezeichnet. Sein bekanntestes, immer wieder neu aufgelegtes Buch ist »Das Sauerland und seine Bewohner« (1886). Es beschreibt Geschichte, Sitten und Bräuche »in guter alter Zeit«. Das zuvor als trist und öde beschriebene Sauerland wird bei Grimme zu »Westfalens Krone und … Perle des Deutschen Reiches«. Grimme, von Beruf Lehrer, genoss in seiner Heimat nahezu Kultstatus, was nicht zuletzt am versöhnlichen Humor seiner niederdeutschen Schwänke lag. Als er 1886 beim Sängerfest in Olsberg sein 12strophiges Bekenntnis »All Surland sall liäwen« vortrug, kannte die Begeisterung keine Grenzen. Grimme wurde unter anderem mit einem Fackelzug geehrt. Grimme verfasste außerdem (Kalender-)Erzählungen und zahlreiche Schwänke und Gedichte im sauerländischen Dialekt. Von 1863 bis 1868 gab er den »Katholischen Volkskalender für das Jahr des alten und neuen Heils« und 1887/1888 die katholische Jugendschrift »Edelsteine« heraus. In seinen »Memoiren eines Dorfjungen« (1859) schildert er seine Jugend bis zum Messdieneralter aus reizvoller Kindheitsperspektive. Man erfährt viel aus dem Dorfleben, über das Lehrerdasein seines Vaters und vom häuslichen Miteinander. Der harmoniestiftende, biedermeierliche Autor berichtet möglichst nur Angenehmes, Entzückendes, um die Idylle nicht zu trüben.

Tondokumente

  • Sauerland audio/mpeg, 3 MB