Das »Schweißtuch der Veronika« ist das bekannteste Werk der in Minden geborenen Schriftstellerin Gertrud von le Fort (1876-1971). Es steht, wie die übrigen Werke der Autorin, ganz in der Suche des Menschen nach religiöser Wahrheit in Zeiten moralisch-religiöser Entfremdung. Vier Jahre vor Erscheinen des Buches hatte Gertrud von le Fort »Hymnen an die Kirche« (1924) veröffentlicht, mit denen sie in ganz Deutschland bekannt geworden war, 1926 trat sie in Rom offiziell zum Katholizismus über. Die »Hymnen« thematisieren wie das gesamte Werk der Autorin, die Gnade, Glaubenserfahrung zu erleben. Eine weitere Konstante bildet die Bewährung des christlichen Glaubens in Grenzsituationen. Hiervon handelt auch der autobiografisch gefärbte Doppelroman »Das Schweißtuch der Veronika«, der die Auseinandersetzung zwischen Christentum und Heidentum im Rahmen der bürgerlichen Kultur des 19. Jahrhunderts behandelt.Im Mittelpunkt des Werks von Gertrud von le Fort stehen Frauengestalten, die zu Märtyrinnen werden. Die einseitige Stilisierung ihrer Protagonistinnen brachte der Autorin auf der einen Seite Kritik ein, trug andererseits maßgeblich zur Popularität ihres Werks bei. Die Autorin selbst 1956: »… geglückte Existenzen haben für die Musen nur geringe Anziehungskraft, die Phantasie des Dichters kreist, wie die Liebe Christi, um die Verlorenen.« Hiermit ist ein innerer Impuls ihres Schreibens angedeutet. Gertrud von le Fort gilt heute als eine der wichtigsten Vertreterinnen des sog. Renouveau catholique.
Tondokumente
-
Das Schweißtuch der Veronika audio/mpeg, 15 MB