Die 1897 im ostwestfälischen Peckelsheim bei Warburg geborene Autorin war um 1924 engste Mitarbeiterin Bertolt Brechts. Sie war seine Sekretärin, Agentin, Übersetzerin – und Verfasserin von Texten, die Brecht später als seine eigenen ausgab. Schätzungsweise 80 Prozent der »Dreigroschenoper«, der Brecht seinen Durchbruch als Dramatiker verdankte, werden heute Elisabeth Hauptmann zugeschrieben. Für andere Stücke versorgte sie ihn mit Ideen und Skizzen. So war sie Mitarbeiterin der Theaterstücke »Mann ist Mann«, »Der Ozeanflug«, »Das Badener Lehrstück vom Einverständnis«, »Der Jasager und der Neinsager«, »Die heilige Johanna der Schlachthöfe«, »Die Ausnahme und die Regel«, »Die Rundköpfe und die Spitzköpfe« und der »Don-Juan«-Bearbeitung. Für mehr als zwei Jahrzehnte war sie so etwas wie Brechts »linke Hand«. Ihr eigenes Schaffen blieb bis heute weitgehend unbeachtet. Sie verfasste Geschichten und Novellen, die in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht wurden, und etwa zehn Hörspiele. Darüber hinaus liegen zahlreiche Fragmente, Übersetzungen und Ideen für Geschichten vor, die nicht zur Bearbeitung gelangten. Ein Großteil jener Werke stammt aus der Zeit, als Elisabeth Hauptmann im amerikanischen Exil weilte und versuchte, als freie Schriftstellerin Fuß zu fassen. Damals hatte sie sich die Pseudonyme Catherin Ux und Dorothy Lane zugelegt. Mehrfach zur Aufführung gelangte ihr Stück »Happy End«, das sie ursprünglich für Brecht geschrieben hatte. Es sollte an den Erfolg der »Dreigroschenoper« anknüpfen. Das Stück spielt in der Heilsarmee, die von berüchtigten Gangstern unterlaufen wird, die selbst in die Heilsarmee eintreten und diese als kapitalistische Tarnorganisation für ihre Betrügereien benutzen. Das Musical in der Vertonung von Kurt Weill wurde 1977 auch als Fernsehfilm gesendet.
Tondokumente
-
Happy End audio/mpeg, 3 MB