1934 Josefa Berens-Totenohl: Femhof

Die Sauerländerin Josefa Berens-Totenohl (1891-1964) war eine Massenautorin der NS-Zeit. Ihr Roman »Der Femhof« (1934) erreichte eine Auflage von 275.000 Exemplaren. Der Folgeroman »Frau Magdalene« (1935) wurde etwa 180.000-mal gedruckt. Beide Werke führten die Ausleihliste westfälischer Büchereien an. 1936 wurde die überzeugte Nationalsozialistin mit dem erstmals vergebenen »Westfälischen Literaturpreis« ausgezeichnet. 1944 führte sie als Vortragsreisende bis zu 30 öffentliche Lesungen im Monat durch. Ihr Vortrag »Die Frau als Schöpferin und Erhalterin des Volkstums« (1938) wurde NS-Frauenorganisationen als Pflichtlektüre empfohlen. Die letzte Auflage des Buches erschien 1961 (!) im Düsseldorfer Diederichs Verlag.Wie Josefa Berens-Totenohl schlossen sich viele weitere westfälische Schriftsteller bald nach der Machtergreifung dem Nationalsozialismus an. Die NS-Zeitschrift »Heimat und Reich« bietet einen repräsentativen Spiegel der westfälischen Literatur jener Jahre. 1941 veröffentlichte die Zeitschrift ein »Kriegsbekenntnis westfälischer Dichter«. Diese empfanden sich als »Soldaten des Wortes«.Ihrem Selbstverständnis nach schrieb die Autorin das auf, was ihr vom »Blut« und aufgrund ihrer Herkunft »aufgetragen« wurde. Dies tun zu können, sei eine »Gnade«. Im »Femhof« lebt der starke, urwüchsige Wulfsbauer mit seiner stolzen Tochter Madlene auf dem einsamen Wulfshof. Der junge Bauer Ulrich hat einen Ritter, der seinen Besitz und seine Ehre verletzt hat, erschlagen und muss deshalb seine Heimat verlassen. Er wird Knecht auf dem Wulfshof. Aufgrund ihres angeborenen Herrentums scheinen er und Madlene für einander bestimmt. Der Wulfsbauer duldet diese Verbindung aber nicht, da Ulrich nur ein Knecht ist. Als Madlene mit Ulrich flieht, erwirkt er beim Femegericht das Todesurteil, das er persönlich vollstreckt. Madlene gebiert Ulrichs Sohn, unter dem der Hof seine zweite Blüte erlebt. Von Madlenes Kampf um Hof und Sohn erzählt der zweite Band, in dessen Verlauf der alte Wulf vom Blitz erschlagen wird. Am Ende wird Madlene durch ihr starkes vorbildliches Verhalten zu einer volkstümlichen Heiligen, bei der sich die Frauen Rat und Kraft holen. Der tote Wulf wird zur Sagengestalt; wie Wotans wilde Jagd tobt er in Sturmnächten über die sauerländische Berge. Durch diese Legende wird der Bezug zur Gegenwart hergestellt. Die Personen des Romans handeln nicht nach ihren Bedürfnissen, sondern stellen sich heroisch ihrem Schicksal und folgen ihrer Bestimmung bis zum Untergang.Die herrschende NS-Ideologie wird nicht explizit angesprochen, ist durch das Handeln der Personen nach den Prinzipien von »Blut« und »Erbe« jedoch signifikant erkennbar.

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Tondokumente

  • Femhof audio/mpeg, 22 MB