Der aus Mark bei Hamm gebürtige Autor (1891-1969) machte sich seit 1914 einen Namen als Journalist und Chefredakteur. Er schrieb für die bekanntesten deutschen Feuilletons. Der umtriebige Autor verkehrte in Künstlerkreisen und war mit bekannten Literaten der Zeit befreundet. Er wies als erster auf die Bedeutung Kafkas hin. 1923 erschien sein erfolgreichstes, in viele Sprachen übersetztes Buch »Die Geschichte meines Bruders«. Unter anderem verfasste er Texte für Chaplins Film »Ein Hundeleben«. 1934 emigrierte der wegen seiner Homosexualität und linksoppositionellen Haltung staatlich gefährdete Autor nach Paris. 1941 floh er nach New York. »Als Journalist und Kritiker, als beobachtender und teilnehmender Chronist seiner Zeit, als Flaneur und Erzähler der kleinen Form hat er seinen festen Platz in der Publizistik der Weimarer Republik, mag auch sein ehemaliger bekannter Name 1933 mit ihr untergegangen sein. Er stand so wenig im Rampenlicht, daß seine Verdienste (als Pionier der Filmkritik etwa) bis heute unterbewertet blieben. […] »Die Geschichte meines Bruders« wurde sein größter erzählerischer Erfolg, auch ins Ausland drang der Ruf, bis hin zu T.S. Elliot. Seine Themenpalette war erstaunlich farbenreich, er schrieb über Jazzbands ebenso wie über Antisemiten, über den Clown Grock, den General von Seeckt und den Poeten Jean Cocteau. Er war auch ein Anreger und Ermunterer, gab dem Querdenker und Querdichter Ringelnatz den Mut, als Maler weiterzumachen. Schöngeist und scharfzüngiger Kritiker zugleich, blieb er zeitlebens ein Freund der Artisten, der Künstler und der Knaben. Sein Werk ist nur schwer in die gängigen literarischen Kategorien einzuordnen. Tucholsky schätzte den »anständigen Schriftsteller« und fleißigen »Weltbühnen«-Mitarbeiter und nahm ihn gegen viele Angriffe, der Filmindustrie zumal, in Schutz. Als politischer Pamphletist konnte Siemsen erstaunlich scharf formulieren….« (M. Förster). »Die Geschichte des Hitlerjungen Adolf Goers«, eine antifaschistische Kampfschrift, erschien zunächst 1940 in London. Sie deckt anhand authentischen Materials Machtstrukturen innerhalb der Hitler-Jugend auf. Die deutsche Übersetzung erschien. 1947.
Tondokumente
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Die Geschichte des Hitlerjungen Adolf Goers audio/mpeg, 16 MB