1978 Ottilie Baranowski: Wind weiht

»Besonders bewegend sind ihre Verse, die von der Vergänglichkeit sprechen«, heißt es in der Verleihungsurkunde des renommierten Fritz-Reuter-Preises. Ottilie Baranowski ist eine Autorin der leisen Töne. Sie hat ihre Ursprünge in der traditionellen Mundartliteratur nie verleugnet und führt diese Tradition durch ihr vielfältiges Engagement für die niederdeutsche Sprache weiter fort. Andererseits lässt sie den heiter-geselligen Grundton der Dönekes-Poesie durch eindringliche, sehr persönliche Gedichte weit hinter sich. Über ihren Gedichtband »Wind weiht« (1978; 6., erweiterte Aufl. 1994) urteilte Heinz Werner Pohl: »Über dem Lyrikband liegt eine eigentümliche Trauer. ›Finale Strömungen‹ (Gottfried Benn) herrschen vor; Tod und Vergänglichkeit spielen eine große Rolle. Auch die zahlreichen Liebesgedichte atmen diese Grundstimmung; die unerfüllte, vergeblich wartende, die betrogene und durch Krieg und Tod zerstörte Liebe sind die eigentlichen Themen. Aus nur wenigen Gedichten sprechen Zuversicht und Lebensbejahung. Zeit- und gesellschaftskritische Töne werden in den letzten fünf Gedichten der Sammlung angeschlagen.« Die Autorin wurde 1925 in Bevergern (heute Hörstel) bei Steinfurt geboren. Sie war Verwaltungsangestellte und arbeitete fünf Jahre als Bibliothekarin beim Westfälischen Heimatbund. Die langjährige Geschäftsführerin der Augustin-Wibbelt-Gesellschaft in Münster trat auch als Schauspielerin im Ensemble der Niederdeutschen Bühne Münster sowie als Mitarbeiterin des Rundfunks auf. Neben dem Fritz-Reuter-Preis (1994) wurde sie u.a. mit dem Andreas-Rottendorf-Preis für niederdeutsche Literatur (1986) und dem Freudenthal-Preis, Soltau (1989), ausgezeichnet.

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