1989 Thenior: Westerwinkler Hundegras

1980 zog der Schriftsteller von Hamburg nach Herbern im Kreis Coesfeld, in die Vorburg von Schloss Westerwinkel. Die schmale Veröffentlichung »Westerwinkler Hundegras« macht deutlich, was Schreiben unter veränderten Lebensbedingungen für Thenior bedeutete, nämlich: Die Sinne säubern, den Blick, Ruhe spüren, beobachten, sich gehen lassen, sich zulassen – heraus aus dem Großstadtmief, aus der zubetonierten Anonymität. Thenior spricht von »Anflügen kindlicher Abenteuergefühle«, die er wiedererfahren habe, und von »Entdeckerfreuden auf kleinem Raum«. Mit der Hinwendung zum Elementaren stellte sich für ihn das Staunen-Lernen wieder ein. Eine abgeschlossene, heile Welt ist die Westerwinkler Oase jedoch keinesfalls. Die im Hintergrund rauschende Autobahn bleibt überall präsent. Und es sind die Nachrichten von Tschernobyl, die vor dem Verzehr von Pilzen warnen: »Der Regen fiel / wir wuschen unsere Hände / und Gesichter / was können wir jetzt / noch essen?« (»Der Unfall«) Die Gedichte wurden mit dem »Literaturpreis Umwelt« des Landes NRW ausgezeichnet.Weil der das Gefühl hatte, auf dem Lande »abgeschnitten zu sein vom größeren Kommunikationszusammenhang« zog Thenior bald darauf wieder in die Stadt. Es entstand der Roman »Ja, mach nur einen Plan« (1988). Er spielt im Dortmunder Sub-Milieu, in der Feldherrnstraße, in der der Autor selbst wohnt. Und auch sonst ist alles ganz authentisch: Die mit Tüchern verhängten Fenster, die Trinkhalle in der Nähe, der Pizza-Imbiss… Der Roman schildert das Zusammenleben, Zusammenkleben dreier Personen in einer Mietskaserne, Personen, sie sich immer wieder über den Weg laufen, halb zufällig, halb gewollt, die anfangen, sich auszusprechen, viel Bier miteinander trinken und sich schließlich vornehmen, ein ›Ding zu drehen‹, einen Kunstraub, was zwangsläufig schiefgehen muss, weil das kriminelle Know-how fehlt. Der Roman ist, wie weitere Werke des Autors, dem, so Thenior selbst, »poetischen Journalismus« verpflichtet.

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  • Westerwinkler Hundegras audio/mpeg, 11 MB