Die literarische Grundhaltung Otto A. Böhmers (Jg. 1949) ist die eines melancholischen Satirikers und Spötters. Der Autor versteht es wie kaum ein anderer, schwierige Themen allgemeinverständlich und unterhaltsam an den Leser zu bringen. Das gilt besonders für sein Spezialgebiet, die Philosophie. Die Götter des Geistes sind für Böhmer keine unnahbaren, unantastbaren Götter, sondern Personen mit ganz normalen menschlichen Stärken und Schwächen. Mit untrüglichem Gespür für Schadenfreude ausgestattet, legt er die Finger genau in jene Wunden, die besonders schmerzen, weil sie die philosophischen Heroen vom vielleicht allzu hohen Sockel hinabstoßen – ohne sie allerdings der Lächerlichkeit preis zu geben. Böhmers Essaysammlungen »Sternstunden der Philosophie. Schlüsselerlebnisse großer Denker von Augustinus bis Popper« (1993) und »Neue Sternstunden der Philosophie. Schlüsselerlebnisse großer Denker von Platon bis Adorno« (1995) sind in dieser Hinsicht wahre Klassiker geworden, die es auf viele Auflagen gebracht haben. Böhmer durchstreift die Kulturgeschichte landauf, landab und stößt dabei immer wieder auf neue Entdeckungen und Ausgrabungen. Wohl kaum ein westfälischer Schriftsteller – mit Ausnahme vielleicht von Eckhard Klessmann – verfügt über ein derart wucherndes kulturgeschichtliches Wissen, das, wie es in einer Kritik heißt, auf seine »menschlich-trivialen Konstanten hin durchsiebt ist – gepaart mit der Lust an der Hinterlist und gut dosierter Fabulierfreude«. Dem Leser beschert eine derart raffiniert ausbalancierte Prosa immer wieder reines Vergnügen. Seit 1978 veröffentlicht Böhmer – unter anderem bei großen Verlagen wie Fischer, Claasen, Rowohlt, Reclam und C.H. Beck – Gedichtbände und Romane. 2004 ließ er mit »Immer nach Hause« nach 14 Jahren wieder einen Lyrikband folgen.Seinen Lieblingsfiguren hat Böhmer gleich mehrfach literarisch nachgestellt. Auf literarischer Seite ist hier – neben Eichendorff, der Droste, Brentano und Karl Philipp Moritz – vor allem Goethe zu nennen, dem er im Jubiläumsjahr 1999 gleich mehrere Romane (»Der junge Goethe«, »Weimarer Wahn« und »Goethe & Lili«) widmete. Auf der Seite der Philosophie sind seine Favoriten Arthur Schopenhauer und Friedrich Nietzsche. Über den hier vorgestellten Nietzsche-Roman »Der Hammer des Herrn«, der 1994 in Eichborns »anderer Bibliothek« erschien, hieß es in der »Süddeutschen Zeitung«: »Otto A. Böhmer ist etwas ganz anderes, Eigenes geglückt: Ein Roman von einem buchstäblich irrwitzigen Humor, der von der philosophischen Hanswurstiade bis zur Psychiatrie-Satire alle erdenklichen Register zieht: ein besseres Satyrspiel zu den seriösen oder auch weniger seriösen Texten, mit denen uns die Nietzsche-Experten aller Länder zu Nietzsches 150. Geburtstag erfreut haben, lässt sich schwerlich denken…« Die »FAZ« ergänzte: »Wo es burlesk oder grotesk zugeht, entfaltet Böhmer seine akribisch exakte und sprachlich brillante Schilderungskunst… Hier kann er gegen Nietzsches Übermenschlichkeitspathos seinen ›Ecce Homo‹ stellen, die ganze Erbärmlichkeit, Komik und Tragik des Schmerzensmannes…«
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