1995 Dietrich Schwanitz: Der Campus

»Es gibt eine Schwachstelle im System. Eine Vermischung von Politik und Sexualmoral, die neu auf dem Markt ist. … Der Fall in ihrem Institut, sexuelle Belästigung, feministischer Protest, Political Correctness. Das ist wie eine Kernfusion, die ganz neue Strahlungen freisetzt. Tödliche Strahlungen. Sie führt zu Krebs in der Politik und Krebs im Journalismus.«. »Der Campus« war ein Skandalbuch. Dietrich Schwanitz erzählt darin eine Geschichte aus dem Nähkästchen, die zum Bestseller avancierte. Und holt dabei zum Rundumschlag aus gegen das ver- und überkommende Bildungssystem, künstlich verbesserte Notenschnitte, Professoren und Dozenten (, die mehr an Kariere und Politik interessiert sind denn an der Erfüllung ihres Lehrauftrags) usw. Als Modell dient ihm dabei die Hamburger Universität, an der er selbst von 1978-1997 als Anglistikprofessor lehrte. Viele Protagonisten des Romans sind unschwer mit tatsächlichen Personen zu identifizieren.Konkret geht es im »Campus« um Hanno Hackmann, seines Zeichens angesehener Professor für Kultursoziologie, der eine kurze Affäre mit einer Studentin hat und in einen Strudel von Verdächtigungen und Beschuldigungen gerät. Am Ende muss er sich einem Schauprozess wegen angeblicher Vergewaltigung stellen. Hinter der Kampagne stecken eine Verschwörung und die Intrigen vieler Beteiligter, die auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Das alles ist, in entsprechender Pointierung, dankbarer Roman-, aber auch Filmstoff. Das Buch führte die Bestsellerlisten an, besonders nachdem es von Sönke Wortmann mit Heiner Lauterbach und Sandra Speichert verfilmt wurde und im Februar 1998 in die deutschen Kinos kam. Auf Bestsellerstatus getrimmt waren auch weitere Veröffentlichungen Schwanitz’, der Folgeroman »Der Zirkel« (1998), der abermals das Hochschulwesen in der BRD desavouiert, das umstrittene Sachbuch »Bildung – alles, was man wissen muss« (1999) sowie »Männer« (2001).

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