1996 Gisela Corleis: Brand

Gisela Corleis‘ zweiter Roman »Brand« spielt in der unmittelbaren Heimat der Autorin, im Lippischen. Er bietet ein düsteres Sittengemälde dieser Gegend. Erzählt wird die Geschichte einer alptraumhaften Angst. Es geht um Hader, als Kind, als Jüngling, als Mann: Als Kind hat er sich mit siedender Lauge Hals, Rücken und Gesicht verbrannt. Narben, Wülste, wildes Fleisch entstellen ihn für alle Zeit. Er wird verspottet und von seiner Frau in den Suff und schließlich in den Tod getrieben. Fürs wirkliche Leben taugt Hader nicht. Alles geht schief, das Viehsammeln wie das Gänsehüten ebenso wie das Kornholen. Was ihn interessiert, sind die Worte, die Geschichten, die ihm ein Onkel, ein ehemaliger Seemann, erzählt. Nur dann wird die lippische Heimat bunt und der Horizont weitet sich. Ansonsten ist sie in ein tristes, morastiges Grünbraun getaucht, in Verwesungsfarben. »Brand« wurde von allen größeren deutschen Feuilletons zur Kenntnis genommen und als herausragende Neuerscheinung des Bücherherbstes gefeiert. Mitentscheidend hierfür ist die suggestive Sprache des Romans. Dieser Roman »brennt in der Seele des Lesers«, hieß es, und: »Wir haben es hier mit einem Buch zu tun, das uns den Atem nimmt, wie es nur bei größter Literatur geschieht. Das Buch zwingt uns seinen eigenen Rhythmus auf… Wir werden zu Gefangenen des Textes, der uns… nicht mehr entlässt.« In der »Zeit« hieß es: »Brand« ist ein Roman, »der… von einem Land erzählt, das seine Seelen verloren hat.« Heimat sei »das… finsteres Atlantis, versunken nicht im Ozean, sondern im Morast hinter der Mühle, wo es spukt«.

Galerie

Tondokumente

  • Brand audio/mpeg, 12 MB