1996 Hans-Ulrich Treichel: Heimatkunde oder Alles ist heiter und edel

Hans-Ulrich Treichel ist ein Meister der humoristischen Subversion. Der 1952 in Versmold geborene Autor machte zunächst als Lyriker von sich reden. Nach drei Gedichtbänden bei Suhrkamp (»Liebe Not«, 1986, »Seit Tagen kein Wunder«, 1990, »Der einzige Gast«, 1994) schwenkte er zur Prosa um, der er seitdem treu geblieben ist. Vor allem in dieser Prosa erweist sich Treichel als Variations- und Verwandlungskünstler, der die Attitüde des lakonischen Sprechens meisterhaft beherrscht und sie deshalb zu seinem Generalthema erkoren hat. Ein scheinnaives Ich gibt Episoden aus seinem Leben zum Besten, seltsame Begebenheiten, Alltagskatastrophen, die ihm fortwährend widerfahren. Bösartig und gestochen scharf sind seine Beobachtungen von Menschen und Zuständen und oftmals auch urkomisch. Dabei kommt auch Treichels Hassliebe zum Westfälischen zu Wort. Die Menschen seiner Heimat sind ihm »traurige und verregnete Angelegenheiten«, der Westfale sei »innerlich düster, gewissermaßen nasskalt und moosbewachsen« – was allerdings, wie er in einem Gespräch einräumte, nicht für alle Westfalen unisono gelte. Man sollte sich jedoch hüten, platte autobiographische Abspiegelungen zu vermuten. Die immer wieder repetierten Geschichten aus Kindheit und Jugend widersprechen sich, legt man sie einmal nebeneinander, sogar eklatant. Treichels Roman »Der Verlorene« (1998) zählt zu den erfolgreichsten Büchern eines aus Westfalen stammenden Autors der letzten Jahre.

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  • Heimatkunde oder Alles ist heiter und edel audio/mpeg, 18 MB