Erwin Grosche (Jg. 1955) ist ein Unikum. Man muss ihn einfach erleben, auf der Bühne, auf seinen über vierzig Audio-CDs und Hör-Cassetten, in seinen »Erwachsenen«-Büchern oder seinen wundervollen Kinderproduktionen. Es gibt wohl kaum einen Kleinkünstler, der sich derart dem Mainstream widersetzt und dabei seinen eigenen Stil kultiviert hat wie Erwin Grosche . Er ist im ureigenen Sinn poetisch – und in dieser Hinsicht ein legitimer Nachfahre eines Christian Morgenstern, Ringelnatz, Kästner, Klabund und anderer sensibler Wortkünstler – was nicht im mindesten ausschließt, dass er wie alle diese großen Geister aus dem Kabarettarchiv ein besonderes Faible für Nonsens und Klamauk mitbringt, ganz im Gegenteil. Dass er zudem ein geradezu philosophischer Kabarettist ist, zeigen seine Alltagsthemen, die er in »Lob der Provinz« auf seine ganz spezielle Art und Weise präsentiert: Grosche lehrt uns, dass man diesen unser aller Alltag auch mit anderen Augen sehen kann, skurriler, poetischer, phantasievoller und mit einem stets wachen Blick für jene Details und Kuriositäten, die, summa summarum, eine zweite, vielleicht ebenso wichtige Sicht auf die Wirklichkeit kultivieren. Erwin Grosche ist ein Mann der Zwischentöne. Entsprechend geht es in seinen Texten fantasievoll statt polemisch, poetisch statt plakativ zu. Er bevormundet nicht, drängt keine Botschaft – schon gar kein politische – auf. Stattdessen verzaubert und irritiert er durch bizarre Musikalität, schräge Lyrik, Sprachmelodik, Lautmalerisches. Er animiert dazu, querbeet zu denken statt stromlinienförmig und der Phantasie jenen Freiraum zu gewähren, der uns wieder Staunen lässt wie ein Kind. Über Erwin Grosche ist von anderer Seite schon viel gesagt worden. Beispielsweise von Hanns Dieter Hüsch, der Erwin Grosche zu seinem legitimen künstlerischen Nachfahren auserkor: »Gottlob, daß es Erwin Grosche gibt! Denn er ist, im wahrsten Sinne des Wortes, der einzige und der einzigartige Protagonist einer literarischen Kleinkunst und einer absurden Poesie, die im Kabarett immer seltener vorgetragen, wenn nicht gar verschmäht wird.« Von anderer Seite heißt es: »Erwin Grosche ist ein Magier des Minimalen, ein Meister der Miniatur: Und so tänzelt er zwischen Traute und Traum, Sinn und Unsinn durch die Welt als einer der letzten oder vielleicht der letzte Komplett-Kabarettist, den die immer dünner und dünner werdende Szene derzeit zu bieten hat.« Oder: »Wenn die Außerirdischen einmal auf der Erde landen, werden sie über einen weitläufigen Verwandten staunen können: Erwin Grosche kommt nämlich auch von einem anderen Stern. Er reiht Kurzszenen und Kleinorgien aneinander wie Mondsteine zu einer wundersam schimmernden Kette: Ein Kleinod, lautstark bewundert.« Eben jene »Kurzszenen und Kleinorgien« stehen im Mittelpunkt von »Lob der Provinz«, einer Sammlung mit Sketchen und anderer Prosa, mit der der Autor ein augenzwinkerndes Bekenntnis zur Provinz ablegt.
