2002 Reinhard Döhl: Lesebuch

Das vorliegende Lesebuch wurde vom Autor Reinhard Döhl (1934-2004) kurz vor seinem Tod zusammengestellt und ist damit so etwas wie ein Vermächtnis. Es bietet einen repräsentativen Querschnitt durch ein äußerst heterogenes Werk, das nicht nur die Literatur, sondern auch die bildende Kunst und hier vor allem die Visuelle Poesie einschließt. Döhl changierte fortwährend zwischen Kunst, Literatur und Wissenschaft. Der Autor selbst: »Wissenschaftlich komme ich von der Philologie, literarisch von der experimentellen und engagierten Literatur, bildkünstlerisch von der Photographie und der Collage her. Wechsel dieser Tätigkeitsfelder, die für mich nicht eigentlich zu trennen sind, ist Fortsetzung meines Fragens mit anderen Mitteln. In Doehls Werk begegnen sich, wie Helmut Heissenbüttel 1968 zusammenfasste, »Experiment und Agitation«: Es scheint mir wichtig…, daran zu erinnern, dass Doehl tatsächlich einer der ersten deutschen Schriftsteller war, der Experiment und Agitation in eins nahm. Allerdings nicht, wie es heute propagiert wird, im nur politischen Sinne. Doehls Agitation war und ist gerichtet auf das, was dahinter steckt, auf die Frage, wie weit wir noch etwas hinter der sinnlich wahrnehmbaren Welt annehmen und für wahr halten können.« Vieles, was Döhl theoretisch beschäftigt hat, findet in seinem Hörspielschaffen und seinen Rundfunkessays einen Reflex. Döhl verfasste acht Hörspiele, die teilweise erregende Diskussionen wachriefen. Mit diesen Hörstücken leistete er einen wichtigen Beitrag zur Etablierung des Neuen Hörspiels in Deutschland. Nicht minder hoch einzuschätzen sind Döhls Beiträge zur Geschichte des Rundfunks, die ihm den Ruf einbrachten, einer der wichtigsten deutschen Hörspieltheoretiker und -Dokumentaristen zu sein. Neben zahlreichen Fachaufsätzen verfasste er zwei umfangreiche monografische Abhandlungen über das Hörspiel der NS-Zeit und das Neue Hörspiel, die bis heute zu den Standardwerken der Hörspielgeschichte zählen. Daneben war für Döhl das Internet eine innovativ genutzte Arbeitsplattform (www.reinhard-doehl.de).

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