Heinrich Schürmann (1940-2008) zählt neben Siegfried Kessemeier, Georg Bühren und Norbert Johannimloh zu den Erneuerern der westfälischen Mundart-Dichtung. Schürmann lernte auf der Werkkunstschule in Bielefeld noch ganz traditionell Bleisatz, Linoldruck, Kohlezeichnung und Aquarellmalerei. Dann schwenkte er jedoch zum Computer um, weil dieser ihm schier unendliche gestalterische Möglichkeiten eröffnet, die sich mit den klassischen Techniken und Methoden nicht realisieren lassen. Auf diesem Wege fand er um 1997 zur Visuellen Poesie. Als erster westfälischer Mundartautor nutzt Schürmann für seine oft satirisch gefärbten Arbeiten das Internet als Arbeitsplattform (http://www.schuermann-clarholz.de). Er hat sich die Arbeit am PC autodidaktisch angeeignet und geht mit dem elektronischen Werkzeug eher wie ein spielendes Kind um. Eine Herangehensweise, die auch für die Motivsuche gilt. Schürmann geht hier frei und assoziativ mit seinem Sprachmaterial um. Dabei lässt er eine gehörige Portion Selbstironie zu, ohne dadurch sein Anliegen weniger ernsthaft zu verfolgen. Ihm geht es um Heimatschutz im weitesten Sinne. Ausgangspunkt einer neuen Arbeit kann ein Foto, eine Reproduktion oder auch ein eigenes Aquarell sein, das am Computer immer wieder auf seine literarische Tragfähigkeit hin überprüft, verfremdet, neu entworfen und möglicherweise wieder gänzlich verworfen wird. Dieser Prozesscharakter ist integraler Bestandteil der künstlerischen Arbeit und führt zu einem fortwährenden »Dialog mit sich selbst«. Seine Vorbilder fand Schürmann zunächst in der Malerei, wobei seine Vorliebe für das Abstrakte deutlich wird. Immer schon haben ihn die Grenzgänger zwischen den Künsten (auch zur Fotografie und Musik hin) interessiert. Meister der Collage fand er vor allem bei den Dadaisten und bei den Franzosen. Sein großes Vorbild ist Pablo Picasso. Auf der Seite des Wortes ist Schürmann von Ernst Jandls manchmal absurdem Sprachwitz.
