Judith Kuckart, 17.11.2010, Essen, Zentralbibliothek Sie wohnen in Berlin und Zürich, heute sind Sie aus London angereist. Was machen Sie zur Zeit in Essen?Hat Ihr Aufenthalt in London mit einem konkreten Projekt zu tun?Sie scheinen permanent unterwegs zu sein. Führen Sie ein Nomadendasein und wenn ja, führen Sie es gerne?Wie lange brauchen Sie, um an einem neuen Ort kreativ zu werden? Oder können Sie überall schreiben?Gibt es Lieblingsorte, an denen Sie schreiben?Ihre Romane basieren auf relativ viel Recherchearbeit. Muss man sich die Zeit dafür mühsam erkämpfen?Wie lange recherchieren Sie und in welchem Verhältnis stehen Recherchezeit und die Zeit der Abfassung eines Romans?Sind Sie ein Workaholic?Gibt es eine gute und eine schlechte Tagesform oder schreiben Sie immer gleich?Ihre Romane handeln von sehr unterschiedlichen Themen. Wie stoßen Sie auf Ihre Stoffe, oder nehmen die Stoffe Besitz von Ihnen, wollen dann einfach geschrieben sein?Sie haben einen Krimi geschrieben, einen Erzählband, ein Musical – reizen Sie weitere Sujets neben dem Roman?Man gewinnt den Eindruck, Ihre Romane erarbeiten Stück für Stück, Jahrzehnt für Jahrzehnt, ein Panorama deutscher Mentalitätsgeschichte. Wie wichtig ist Ihnen die zeithistorische Konnotierung?Ihre Zeitpanoramen sind verknüpft mit Bildern, Farben, Gerüchen. Welche Rolle spielt die sinnliche Nuance?Die Durchleuchtung von Menschen und der sozialhistorischen Umgebung ist zentral bei Ihnen. Ein literarisches Anliegen?Eine große Rolle spielen Frauenschicksale. Verorten Sie sich in der Tradition des Feminismus?Könnten Sie sich vorstellen, auf satirische, humoristische Weise zu schreiben oder ein Unterhaltungsbuch zu verfassen?Stehen die Arbeit als Tänzerin und die Inszenierungstätigkeiten in einem Bezug zu Ihrem Romanschaffen?Sie halten bei Ihren Romanen – was an der Erzählperspektive deutlich wird – die Zügel fest in der Hand. Brauchen Sie diese Strenge oder könnten Sie sich auch ganz andere formale Wege vorstellen?Sie schildern Figuren, die ihre gewohnte Umlaufbahn verlassen: begreifen Sie die Krise als Grundbedingung des Leben?Ist die Unkalkulierbarkeit der Lebensplanung auch ein Fluch des gesellschaftlichen Lebenszustandes?Elemente Ihrer Texte: ruhelose Existenzen, kaputten Welten, gestörte Beziehungen – ein Abbild unserer Gesellschaft?Nach Freud ist ein unerfülltes Sexualleben Ursache persönlicher & gesellschaftlicher Deformationen. Stimmen sie zu?Sie schreiben, wie es heißt, „magische Sätze“, die perplex machen: kalkuliert, erarbeitet oder ergibt sich das einfach?Sie stellen existentielle Fragen, Ihre Einschätzungen sind pessimistisch. Wohin steuert die Gesellschaft?Was ist Ihr nächstes Projekt? LesungStandardinterviewindividuelles Interview